Okt
05

Mit dem Wechsel der Orientierung zu dem was erwiesen ist konnten wir nur noch auf das Selbstbewusstsein bauen – der Summe all dessen, was wir uns bewusst gemacht hatten. Nichtsdestotrotz wirken aber noch die Triebe in uns – und unbewusste Prägungen. Darüber wussten wir bislang wenig. Doch sie steuern uns eigentlich, denn der Verstand ist nur die aufgesetzte Instanz die ausführt. Indem wir uns die eigene Funktionalität aber nach und nach bewusst machen, kann das was uns alle(s) ausmacht, in unser (Selbst)Bewusstsein einfließen. Je tiefer und grundlegender das geschieht, umso näher gelangen wir wieder an ein umfassendes menschliches Selbstverständnis. Unseren Kindern, die es ja noch haben, lassen wir es am besten gleich. So weit die Theorie.

Das unvollständige Menschenbild

Mit dem System das wir abbilden und an das wir uns anpassten, haben wir Berührungspunkte mit der Lebensumgebung und untereinander verloren, die wir früher schon mal hatten, und die uns eigentlich erst zu dem gemacht haben was wir sind – intelligente Menschen. Evolutionär betrachtet ist es folgerichtig: Unser System kann, wie wir einst selbst, lernen, alles zu berücksichtigen was wir sind und was wir brauchen, inklusive emotionaler Differenzierung, Soziologie, und Bewahrung der Lebensumgebung, damit es uns (wieder) entspricht. Da wir anders ohnedies nicht besonders glücklich werden können (das Gehirn ist nicht mit halben Sachen zufrieden zu stellen) sind wir ständig auf der Suche nach dem was uns fehlt, was uns verloren ging.

Zum Beispiel sucht jeder Erwachsene nach der Intensität der tiefsten Eindrücke aus seiner Kindheit. Das sind gewissermaßen die Vergleichsparameter, an denen unser Gehirn den Erfolg unseres Strebens beurteilt und belohnt. Wir wollen im Grunde alle nur unsere kindlichen *Weihnachten* wieder und glauben das geht nicht, denn schließlich gibt es ja gar keinen Weihnachtsmann. Doch die Magie, die unsere kindliche Fantasie in uns auszulösen vermochte, fand nicht irgendwo da draußen stand, sondern – in uns drin. Was also hindert uns daran, sie weiterhin zu leben? Wer sagt uns, dass wir uns desillusionieren lassen müssen? Wenn das Vorstellbare machbar ist, warum akzeptieren wir mit dem Mehr(!) an Wissen eines Erwachsenen plötzlich Grenzen, wo wir als Kinder keine sahen? Verursacht unsere Art von Bildung gar eine (Selbst)Reduktion indem sie die Fantasie aushölt statt fördert?

Alle wie einer, einer wie alle

Vom Verhalten eines Einzelnen kannst Du auf das Verhalten von Gesellschaften schließen – und umgekehrt. Eine Gesellschaft summiert was ihre Einzelwesen bewegt und bewegen. Allerdings verzerren Hierarchien das Gesamtergebnis, entsprechend dem Ausmaß der jeweiligen Gewichtung entscheidender Persönlichkeiten. Daher sind Ungerechtigkeiten unvermeidlich, wenn ein Einzelner über die Geschicke von mehr Menschen entscheidet, als sein Gehirn sozial verwalten kann. Auf diese Weise fallen Interessen und Bedürfnisse vieler durch das Raster (denn sie wiegen in seinem Gehirn nun mal nichts, weil der emotionale Eindruck dafür nicht da ist), die im Gesamtergebnis dann auch fehlen. So entsteht Konformität statt individueller Vielfalt.

Die Vernetzung der Menschen könnte die Relevanzen wieder verteilen, und mehr Mitgestaltung wäre so möglich. Hierfür müssten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass unsere Entwicklung dann nicht mehr progressiv dynamisch linear verläuft, sondern in die Tiefe geht. Das würde die Risiken allerdings vermindern und wäre in Summe wengier destruktiv. Hierfür ist aber mehr Eigenverantwortung gefragt, so wie eine tiefere Auseinandersetzung mit allem. Damit das geschehen kann, müssten wir vom regelfixierten (oberflächlichen) zum lösungs- und zielorientierten (grundlegenden) Denken finden. Die hierfür nötigen Erkenntnisse liegen vor unserer Nase.

Freiwilligkeit ist oberstes Gebot

Im Gegensatz zu Adam Smith setzte Nash auf Kooperation von vornherein. Wer nämlich andere nicht in seine Überlegungen einbezieht, nimmt auf diese auch keine Rücksicht, sondern denkt nur an seine eigenen Interessen und kollidiert dabei mit denen anderer. Wir brauchen Empathie und soziales Gewissen, damit wir überhaupt in der Lage sind, das *Gute* für- und miteinander umzusetzen. Sonst wollen wir es ja nicht, weil wir dazu keinen adäquaten Gefühlseindruck haben der uns motiviert, für- und nicht gegeneinander wirksam zu sein. Das kann auch eine Art rationaler Einsicht sein – wie beispielsweise bei Menschen, die nicht so sensibel sind. Auch sie sind jedoch in der Lage, die Breitbandigkeit ihrer Einschätzungen zu erhöhen. Woher die erneuerte Bewertung dann kommt, ist sekundär. Entscheidend ist, dass der Wille entsteht und wirksam werden kann.

Orientierung an Idealen

Ausgehend davon, dass die Willensformel Zielvorstellung – Status = Handlungsbedarf lautet, muss Streben immer auf etwas gerichtet sein, an dem wir den Erfolg dann messen können. Die Zielvorstellung kann beliebig groß sein, und selbst dann ist sie ohnedies vom Rahmen unseres Vorstellungsvermögens beschränkt. Das angemessene Ziel einer globalen Gesellschaft wäre, dass es allen darin gut geht. Denn keiner verliert, wenn alle gewinnen. Das betrifft nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die Aussicht auf ganzheitliches Wohlbefinden – Glück – das mit Konsumgütern alleine nicht zu erlangen ist. Zumindest die Grundversorgung mit dem Lebensnotwendigen ist dafür aber nötig. Ein selbstbestimmter Mensch ist nicht darauf angewiesen, seinen Status ausschließlich im Vergleich zum (materiellen) Status anderer zu ermitteln. Grundlegendes Denken fördert die Selbstbestimmtheit, weil daraus tiefes Verstehen hervorgeht und die eigenen Bedürfnisse klarer erkennbar und damit auch vertretbar sind (ich muss dann nicht mit äußeren Werten protzen können, um die Wertschätzung anderer zu erlangen).

Feb
05

Jeder, der schonmal einer Sache müde wurde, weiß, füllen ist nicht dasselbe wie Erfüllung. Doch auch wenn man von etwas nicht genug kriegen kann, steckt die Erfüllung da nicht drin, sonst müsste sich irgendwann Zufriedenheit einstellen. Dass wir das mit Geld und heutigen Formen des Konsums nie erlangen, muss einem erstmal auffallen. Wir erleben Unzufriedenheit ja als normal, da uns ständig *Lösungen* dafür vor Augen geführt werden und wir keine Orientierungskonstante (mehr) benutzen (ganzheitliches Wohlbefinden > Glück), sondern nur Unterschiede heranziehen können – also den aktuellen Status daran bewerten wie er vorher war oder an dem anderer.

Wenn ich mir die (gesamte) Welt so ansehe – bilden wir darauf augenscheinlich (nur das) ab, was unser Gehirn erfasst hat, und da ist die tiefere Vernetzung ausgedünnt. Der emotional-soziale Puffer steht kaum noch zwischen Reiz und zunehmend systematischer Triebabhandlung. Sonst hätte die Automatisierung unser aller Leben einfacher und bequemer gemacht. Stattdessen drängte sie uns in eine neue Form des alten evolutionären Wettkampfs. Sie vervielfachte das Aktionspotential (die Geldmenge) einzelner, indem sie die Potentiale von immer größeren Massen abfassen und gleichzeitig bestrebt sind, diese so wenig wie möglich an ihren individuellen *Erfolgen* zu beteiligen. Früher ging’’s wenigstens noch um Nutzen und Ideen, heute ist das Ziel von vorherein, aus dem Markt möglichst viel Geld abzuernten. Womit ist dann auch schon wieder sekundär. Da rutschen dann schon mal Gifststoffe in Babyfläschchen und Kinderspielzeug, damit die Rechnung aufgeht.

Die isolierte Betrachtung und Fortentwicklung einzelner Aspekte machte uns höchst effizient darin zu bekommen, was wir (glauben zu) wollen. Doch trennen wir (wegen der isolierten Betrachtung) lediglich per Definition, was losgelöst voneinander nicht funktionieren kann. Emotionen und Verstand zum Beispiel, oder Wirtschaft und Menschlichkeit. Ausgelaugte Massen sind ein schlechtes Fundament und können das System nicht mehr stützen. Fördermittel müssten eigentlich ihrer Stärkung zukommen und in Bildungsmaßnahmen, Jugendarbeit und Unterstützung kleinerer Unternehmen fließen.

Die Hemmschwelle zu kriminellen Handlungen sinkt mit steigender Armut. Neuerdings wird in Österreich in Häuser eingebrochen, während sich die Besitzer darin aufhalten – ein Indikator dafür, wie dem individuellen Wohlbefinden abträgliche Entwicklungen Reizschwellen senken, um die erlebten Verluste noch auszugleichen zu können. Botenstoffemathematik.

Es kommt mir vor, dass dem *modernen* Menschen der Wirklichkeitsbezug (Ignoranz von Wirkungen) verloren ging, um einer Realität zu entsprechen, die überwiegend nur noch unsere Beziehung zu Geld abbildet, da das Streben danach aus überlebenstechnischen Gründen am Relevantesten in uns wirkt (getriggert > Geld erfüllt alle Triebe, aber eben nur das und auch nur indirekt). Unsere Biologie hat für so abstrakte Dinge wie Kontostände allerdings keine angemessenen physischen Reaktionen parat, dafür wäre mehr Differenzierungsarbeit zu leisten, die vor anderen Erfordernissen weichen muss. Sicher ist mal, dass der Mensch eine Menge Faktoren ignoriert, und das hat nichts mit dem zu tun was wir (nicht) wissen, sondern was wir (nicht mehr) fühlen. Was wir beispielswiese für Geld *empfinden* steht eigentlich den Ressourcen zu und allem, was uns tatsächlich am Leben erhält. Zum Beispiel die Erde und alles auf ihr drauf.

Systematische Lernprozesse anerkennt das Gehirn nicht mit Ausschüttungen, weil es sie nicht in seine Intuition einbeziehen kann, bzw. es kann sie deswegen nicht einbeziehen, weil der physische Erlebniseindruck fehlt, mit dem Wissen in *Fleisch und Blut* übergehen kann. Obgleich wir zu intelligenten Leistungen (nach unserer eigenen Einschätzung, und hier kennen wir das obere Ende der Skala nicht) fähig sind und dabei mit festgelegten Werten arbeiten können, sind wir immer noch emotional lernende Lebewesen und keine Faktenkopiermaschinen. Je schärfer wir rechnen, umso mehr (Variationsvielfalt, Vorstellungsvermögen, Empathie, soziales Gewissen) könnte uns von dem verloren gehen, was uns als Menschen ausmacht.

Jan
17

Die Wahrheit ist das einzig wirklich Bestandhafte. Sie zu erlangen aber gerne schmerzhaft und immer von der Unsicherheit begleitet, dass die nächste vorstellige Erkenntnis geeignet ist, den bisherigen Wissensstand in Frage zu stellen oder gar in seiner Bedeutung umzukehren. Hat man den Mut, sich dem zu stellen, akzeptiert man die Wirklichkeit leichter und richtet sein Weltbild, seine Haltung und sein Handeln an dem aus, was sich erweist.

Wie können Sachen wichtiger geworden sein als wir? Sind die Sachen nicht für uns? Wieso stehen wir dann in evolutionärer Konkurrenz mit ihnen? Früher haben Unternehmer noch was geschaffen. Heute planen sie das Abgrasen vor, sähen systematisch Werbung und ernten dafür Geld. Um die Rückführung von Potentialen kümmern sie sich nicht. Ein so behandelter Boden regeneriert sich immer schlechter und laugt schließlich aus bis alles an ihm stirbt.

Der Süchtige würde auch kurzsichtig agieren, zum Beispiel sein Haus verpfänden. Fängt er sich doch wieder, kann er sich vielleicht ein neues bauen. Diese Erde, unser aller Zuhause, gibt es aber nur ein Mal. Wir sind die Reflexion unserer Umgebung, auf diese und keine andere abgestimmt und angewiesen. Die linearen Ketten (jeder verfolgt sein eigenes *Ziel*) sind halt viele – und lang, und auch wenn wir Aspekte linear nur isoliert betrachten können, hängen sie dennoch alle zusammen, so dass letztlich jeder auf jeden wirkt.

Dez
22

Entwicklung ist ein Prozess, der auf dem Bestehenden aufbaut. Das hat grundlegende Bedeutung, wenn man die Funktionsweise von Menschen untersucht. Es kommen stets und nur Mechanismen zum Einsatz, die bereits vorliegen um auf eine neu erkannte Anforderung adaptiert zu werden. Was besteht, kann auch einer Beobachtung entlehnt sein. Das wird sich beim Lernen niederschlagen, der kognitiven Entwicklung. Solche Form ist vergleichbar mit dem Einbringen genetischen Codes durch ein Virus. Das hat es auch in der menschlichen Entwicklung gegeben. Das Bestehende, auf dem aufgebaut und das abstrahiert wurde, war dann der assimilierte Code des Virus”. Ob er erfolgreich zur Anwendung kommen konnte, stellte die Selektion fest. Beim Lernen hingegen greift man auf Erlebtes zurück, das bestand zum Zeitpunkt der Erfahrung (z.B. der Eltern) und konnte im Gehirn nur an die bestehende Kenntnisbasis anknüpfen und nur anwenden, was dort bereits vorlag.

Bezieht man diese Tatsachen ein, kann man im Rückschluss folgern, aus welchen Motivationen und Instrumenten sich menschliches Verhalten zusammensetzt. Es sind überwiegend tierische Gepflogenheiten. Indem das Folgende darauf aufbaut, sind die Mechanismen überall dort omnipräsent, wo es gelang sie nützlich einzusetzen. Schon im Sinne der Ressourcenschonung handelt es sich um dieselben. Je früher die Basis im Wesen entstand umso dominanter wirkt sie im daraus entwickelten — weil grundlegend.

Zurück zum Thema. Orientierung haben die Wesen aus denen wir hervorgingen erlernt, nachdem oder während sie Mobilität entwickelten, sich bewegen konnten. Davor waren sie dem ausgesetzt, was am Ort gegeben war. Die Entscheidung, sich überhaupt fortzubewegen ist ausreichend begründet, wenn es den örtlichen Gegebenheiten zu entweichen gilt. Anderswo sein zu wollen bedarf keiner Orientierung. Sich allerdings dorthin begeben zu können, entfaltet das Potential aufzusuchen, was erstrebenswert ist, Nährstoffquellen z.B. .

Gemessen an dem, was Menschen heute anstreben, war das noch leicht zu erkennen. Sinnesorgane erlaubten es, Umgebungsinformationen aufzunehmen. Das anfänglich profane Nervennetz führte die Eingangsreize direkt zu den Aktoren, die die Bewegung ausführten um zum Ziel zu gelangen. Fische und Reptilien funktionieren noch so, haben sich aber bis heute auch fortentwickelt. Sie verfügen wie wir über ein Zentrales Nervensystem, das die Reize sammelt, bevor die Reaktion ausgelöst wird. Darin werden beispielsweise einfache Berechnungen vorgenommen, die die eigene und die Bewegung des Zielobjekts berücksichtigen um es zu erreichen.

Basis für solche Aktion sind zwei sogenannte Vektoren, die sich an einem Punkt kreuzen, dem projektierten Zielpunkt. Fische und Echsen kreisen bzw. warten bis das Objekt in Greifnähe ist und vollziehen dann identische Bewegungsschemata aus einem Fundus um die Beute zu schlagen. Gewieftere Jäger wie die höheren Säugetiere sind in der Lage, ihr nachzueilen, die Hetzjagd wurde dabei entwickelt. Sie erfordert es, die Bewegung immer neu am komplexen Verhalten des Zielobjekts zu orientieren. Um das zu können, gingen sie durch eine Entwicklungsstufe, in der sie die Technik erlernten, als sie soetwas wie Ratten waren. So wie wir auch.

Während der Wurmfisch der wir mal waren noch jagte wie Mäuse es später fallweise tun, liegt das Potential von Ratten im gemeinsamen Vorgehen, sie jagen aber nicht mehr. Die Stärksten sind die Schnellsten, sie laufen vor, der Rest folgt ihnen. Da in der Horde kein Ziel erkennbar ist sondern allenfalls eine Richtung und eine Distanz am Geruchseindruck, richtet sich jedes Mitglied an denen aus, die es umgeben. Dabei kann ein Orientierungsmechanismus zum Einsatz kommen, der schon als Fisch entstanden ist: Schwarmverhalten. Ob das für unsere Vorfische galt können wir nicht sagen. Von denen, die dafür in Frage kommen, fanden wir jedenfalls nur vereinzelte Fossilien vor, genetischer Rückschluss ist daraus nicht zu ziehen. Ob sie es bereits waren, die schwärmten, wissen wir nicht. Als wir an Land gingen waren wir jedenfalls Einzeljäger, Zielobjekt waren Insekten.

Im Rattenstadium verstärkte sich der Ausbau des Gehirns durch Eiweißaufnahme. Wenn das Maß der Intelligenz nicht mehr von der Zellfunktionalität selbst abhängt sondern im Wesentlichen von der Anzahl, muss spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Verknüpfungsmodell entwickelt worden sein, das auf die natürliche Umgebung ebensogut anwendbar war, wie auf die soziale. Orientierung dürfte bei der Erfassung der Umgebungsbedingungen wichtigste wenn nicht *die* Funktionalität gewesen sein.

Die Rattenhorde bewegt sich mehr oder weniger zweidimensional fort. Technisch wird Orientierung an der Position relativ vorgenommen. Im dreidimensionalen Raum für den auch wir gebaut sind, steht etwas vor uns, links oder rechts von uns, über oder unter uns. Was hinter uns ist, war immer schon konkurrierend und ansonsten schlecht wahrnehmbar. Es treibt uns vor sich her, ist eine Bedrohung, Fressfeind oder Mitesser. Verfügt es über kein Potential, ist es belanglos.

Das Verhältnis zu den Positionen über und unter uns ist ambivalent daran ob es sich um Freund oder Feind handelt, er schwächer ist oder stärker. Jedenfalls ist oben die Sonne, die Position also erstrebenswert aber nur unter Widerständen zu erlangen und Gefahren zu halten. Dazu muss man speziell motiviert sein.

Neben uns sind hingegen solche wie wir selbst. Es schwimmen keine einander feindlichen Fische nebeneinander her, auch unter anderen Lebewesen ist solche Konstellation nur gegeben, wenn sie gerade nichts voreinander zu befürchten haben sondern mehr von hinten (Stampede).

Bilden wir eine soziale Horde (Truppe), wünschen wir neben uns, wem wir gewogen sind und dessen Potential uns entspricht. Die rechte Hand trägt uns zu, der linken tragen wir entweder selbst zu oder vernachlässigen sie gegenüber der rechten. Am Rand der Horde kann eine der Positionen vakant sein.

In Gefechtsstellungen nennen wir solche Konstellationen “Formation”, die entsteht dabei nämlich aus den Affinitäten und hält man sie diszipliniert ein, hat die Gruppe einen Kampfvorteil durch biologisch verankerte Orientierung. Sie ist ein Rudel.

Schwarmverhalten ist mathematisch abbildbar und wird in der Sozilogie und der Trendforschung eingesetzt. Es geht dabei um die Präferenz, mit der Distanzen zu den unmittelbaren Nachbarn verkürzt (Anschluss), erhöht (Freiraum) oder beibehalten werden.

In der Gruppendynamik gibt die Alpha-Position Richtung, Tempo und Höhe vor. Wer höher will, muss an ihr vorbei (3-D), wer weiter vor will, muss schneller sein (2-D), wissen, wo es lang geht und über das Vertrauen der Nachfolgenden verfügen sonst steht er bald alleine auf weiter Flur. In der 2-D-Betrachtung ist Alphas rechte Hand Beta. Ansonsten steht er in der Position darunter, vor dem Rest der Gruppe auf selber Höhe, leitet sie an. Es folgen nebeneinander liegende Gamma-Positionen. Die vertrauen Beta mehr als Alpha. Ihr Mangel an Strebsamkeit und Bewusstsein für Harmonie befähigt sie zur Aufgabenbewältigung. Sie sind belastbar, führbar und kooperativ, bilden den Kern und bewerten die Führung am Erleben. Die letzte Position Omega treibt die ganze Gruppe voran. Verliert Alpha seinen Zuspruch, bleiben nur noch Omega der stets bremste und gegen Alpha gerichtet sowie Beta, der stattdessen loyal ist. Gammas werden sich an den Führungswilligen orientieren, sind es selbst nur dann, wenn es die Situation erfordert. Die Positionen wechseln dann, vakante aber relevante werden befüllt (Machtvakuum). Die Positionen sind in der vernetzten Gesellschaft relativ. Alpha der einen Gruppe ist womöglich Omega einer ihr übergeordneten.

Vision, Beute, Partner, Freund, Feind sind ursprüngliche Konstellationselemente der höheren Lebewesen. Die Vision ist die Leitlinie, die Beute das Ziel, der Partner Gehilfe und der Widersacher hinter einem her. In der menschlichen Gesellschaft sind das alle füreinander. Sonst ist da kein Lebewesen mehr, das Positionen relevant einnehmen könnte.
Konfrontation ist die Stellung nach der die Positionen neu geordnet sind. Nach meinem Dafürhalten machen wir genau an diesem Punkt etwas falsch. Wir leben die Konfrontation statt der Ordnung. Das erhöht zwar die Dynamik, macht aber viel(e) kaputt.

Vermutungen/Thesen (sonst ungestützt):
Orientierung ist die Grundlage jeder Konstellation im menschlichen Gehirn, das die Wirklichkeit abbildet.
Die Datenhaltung im menschlichen Gehirn ist fundamental und damit in jeder Weise an den Merkmalen der Orientierung ausgerichtet (über/unter, vor/hinter, links/rechts, daraus durch den Verstand adaptiert vorher/nachher)
Damit ist zu begründen, weshalb uns nur eingeschränkt viele Assoziationen pro Aspekt einfallen.
Diese stehen jeweils in der Rolle einer Richtung mehr oder weniger treffend repräsentativ, werden jedenfalls so präferiert behandelt (Relevanz).
Beispiele: Schulnoten (scharf): 1(A) oben, 2(B) vorne, 3(C) rechts, 4(D) links, 5(E) unten, 6(F) hinten\r\nFarben: (interpretativ aber komplementär): rot (vorne), blau (unten), gelb (oben), weiß (links), schwarz (rechts), grün (hinten)
Gruppendynamik: alpha (oben), beta (vorne), gamma (links/rechts), omega (hinten).
Gibt es vielleicht noch deltas und epsilons unter den gammas, die bislang nicht so scharf differenziert wurden? Babys/Kinder?

Wofür ist diese Betrachtung nützlich?
In der maschinellen Kognition arbeitet man gerne mit sog. Topic-Maps, die die Wissensbasis abbilden. Hierarchisch gesehen beginnen sie oben bei der Welt und münden in den Werten. Bei der Erforschung geeigneter Analyseverfahren ist die Grundproblematik gegeben, dass der Vergleich aller Konstellationen zu aufwändig ist und gemessen daran zu wenig nützliche Informationen hergibt. Menschliche Kognition differenziert über die relevantesten und zueinander passenden Aspekte besser, d.h. schneller.
Es folgt daraus, dass zur Untersuchung eines Aspekts die zu ihm korrespondierenden unterschiedlich bevorzugt zu behandeln sind. Welche korrespondieren, steht in der Vernetzungsstruktur deren genauer Aufbau uns beim Menschen unbekannt ist. Am grundlegend Hinweislichsten (und am schnellsten beantwortet) ist z.B. die Frage, welchem Symbol ein Aspekt zugeordnet ist. (“Was ist das?”)
Wo ein Aspekt in der 2D-Hierarchie (oben/unten) steht, bezeichnet bereits, was ihn deklariert bzw. spezifiziert. Das ist in jeder hierarchischen Struktur so abgebildet: Wozu gehört etwas und was gehört dazu? Aussagekräftig ist darüber hinaus, wie sich Aspekte derselben Ordnung im Netzwerk stellen, das sind nebenliegende. Will man einen Aspekt einsortieren, gibt es davor (links) liegende und nachfolgende (rechts).
Die zur klassischen Datenverarbeitung kompatible, plan-hierarchische Anordnung ist zum besseren (maschinellen) Verständnis womöglich durch eine dreidimensionale zu ersetzen. Eine Sonderstellung nehmen nämlich die Symbolbezeichnungen ein, die könnte man 3D gesehen vorne anlegen (Definition). Was zur Vollständigkeit der Informationen dann noch fehlt, sind die Relevanzen, die man dann hinter die Struktur stellen kann. Aus ihnen entsteht später ein tierisch neuronales Netz, das über die Symbole zu noch unbekannten Werten und Aspekten findet um Erkenntnisse schnell anzuwenden (Emotionale Kognition). Auch für die Untersuchung sind sie hilfreich, weil identisch hohes oder stetes Vorkommen (Relevanz) auf Regelzugehörigkeit hinweist (Allgemeingültigkeit).

Eine beschleunigte Analyse stellt sich für jeden Aspekt dann bevorzugt die Fragen:
Was ist das? (steht davor)
Wozu gehört es? (Was steht darüber)
Woraus besteht es? (Was steht darunter)
Was ist ihm ähnlich? (steht daneben)
Wo gehört es da ”rein? (links/rechts)
Wie oft kommt das vor? (Was steckt dahinter)
und wendet erst dann weitere Funktionalität an (Ausschluss z.B.) oder geht in die tiefere Betrachtung.

Nov
21

Unvermeidlich schließe ich vom Modell der maschinellen Kognition auf die des Menschen: aus den Daten werden entweder Regeln entlesen und dann angewendet, oder die Regeln sind bereits im Datenbestand, es muss also nicht mehr er/geschlossen werden, sondern nur noch angewendet (Routine). Je mehr Routinen da sind, umso weniger Raum nimmt das eigentliche “Denken” in der Datenverarbeitung ein.

Ich benötige keine konkreten gefühlten Bewertungseindrücke, wenn ich nicht erschließen, neu entdecken muss. Wenn mir außerdem mein Kontostand sagt, wann ich gut für mein Überleben gesorgt habe, “brauch” ich kein Glücksgefühl mehr, um meinen “Erfolg” festzustellen. Klar, dass wir mit Emotionen heute zum Teil befremdlich umgehen. Sie erfüllen nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck, aber trotzdem “will” das Gehirn sie zu seiner Orientierung anwenden. Dann werden sie halt an irgendwelche “Dinge” geknüpft, um sie wenigstens noch in abgeschwächter Form zu erleben. Die Informationen die Emotionen heute noch geben, sind dem zu Folge nicht mehr realitätsbezogen, aber dennoch Ausschlag gebend für unser Handeln und unsere Entscheidungen.

Selbst wenn uns andernfalls das Aussterben sicher wäre, es ist dafür kein adäquater emotionaler Eindruck in uns. Wir haben nur Angst um uns selbst, gelegentlich sogar noch mehr Angst um Menschen die wir lieben, dann noch um Menschen die uns nahe stehen, um die aber schon weniger. Das ist ein kleiner Kreis, den unser Gehirn sozial verwaltet. Wirken tun wir auf einen viel größeren, und da in hoher Position in hohem Maße instrumentalisierend.

Verhaltens- und Denkmuster sind so eingefahren, wie die Relevanzen in einem neuronalen Netz. Das ist dann für andere Aufgaben untauglich als jene, die es “erlernte”. Ob das Gefühle sind oder Fakten, ist dabei irrelevant. Das Gehirn handelt immer folgerichtig. Sind die Daten vermurkst, dann ist das Folgerichtige es eben auch. Sind die Daten unvollständig oder falsch, sind es auch die Schlüsse.

Man muss sich doch nur fragen, wovon leben wir überhaupt? – Von der Akzeptanz dessen was wir tun, dessen was wir leisten, dessen was wir sind. In dem Bewusstsein arbeiten wir üblicherweise aber nicht, sondern für Geld. Und schon geht es nicht mehr um das Wohl des Anderen, sondern darum, ihm etwas zu verkaufen, in dem er “irgend”einen Nutzen erkennt. Begriffe wie “Konsument”, “Benutzer”, “Verbraucher” drücken präzise aber gehaltlos das aus, was dahinter steckt – Instrumentalisierung. Der versprochene Nutzen muss nicht real sein, nur verkaufsfördernd darstellbar.

Das Wesentliche ist für den Verstand unsichtbar. Sein Datendurchsatz bringt es einfach nicht. Mit Emotionen verhält es sich anders. Physisch gesehen sind sie Biochemie, aber sie darauf zu reduzieren, würde ihnen nicht gerecht. Letztlich ist die Biochemie nur die Darstellung gefühlter Befindlichkeiten, die wir an der Oberfläche und mit den in der Umgebung bereitgestellten Mitteln bedienen. Je mehr wir uns selbst darin einbringen, je tiefer wir in uns vordringen (Selbstverständnis), umso intensiver (er)leben wir – uns gegenseitig.

Gefühle sind keineswegs “irrational”. Ich befürchte sogar, dass moderene, all zu geschäftstüchtige Menschen dazu neigen, Soziopathie mit Vernunft zu verwechseln. Wozu wir keinen emotionalen Bewertungseindruck haben, wiegt nichts – weder in unserem Denken, noch in unseren Entscheidungen. Das Denken ist dann desintegrativ. Einerseits ging daraus die isolierte Betrachtung und das konkrete Begreifen einzelner Aspekte hervor, die Dynamik (männlich) in unsere Entwicklung brachte. Andererseits verloren wir damit zunehmend das Ganze (Emotionen, Intuition, weiblich) aus den Augen. Die Perspektive des Einzelnen verengte sich.

Der Verstand ist ein Trieberfüllungswerkzeug. Die Wirkkraft die wir uns durch ihn erarbeitet haben, macht uns, wenn der emotionale Puffer fehlt (Emotionen und Gefühle sind die Schnittstelle zwischen den Trieben und den Maßnahmen die wir zu ihrer Erfüllung anzuwenden bereit sind), über ein Maß hinaus instrumentalisierend, wie kein Tier es kennt, ignorant und brutal. Einfühlungsvermögen könnte uns davor bewahren, uns gegenseitig Dinge anzutun, die wir uns selbst ja auch nicht wünschen. Was einen selbst nicht emotional tangiert, lässt sich leicht ignorieren.

Hass, Wut, Gier etc. kommen von Angst. Was als bedrohlich (nicht wünschenswert) wahrgenommen wird, in Frage stellt, wer man ist, woran man glaubt und so weiter, kann Auslöser für Hassgefühle sein. Jemand, der um nichts fürchtet braucht keinen Hass, keine Gier. Wir leben nicht mehr in einer Welt natürlicher (mit Ausnahmen) Bedrohungen, wir sind zur gegenseitigen Bedrohung für uns selbst geworden und leben (mehr oder weniger abgeschwächt) damit dieselben evolutionären Muster wie unsere Vorfahren, die wirklich noch ums Überleben bangen mussten. So müssen es viele Menschen heute nach wie vor, weil wir einen genetischen Wettkampf abfeiern, der längst gewonnen war.

Glaube konnte schon mal ein Vorwand sein – tiefe Gefühle waren hingegen nur für das Individuum wert, darum zu kämpfen. Bei Kriegen geht es um reine Triebfaktoren. Große emotional gehaltvolle Visionen und Blutvergießen, das passt nicht zusammen – schon biochemisch nicht. Daher konnte jemand wie Gandhi keine Waffen erheben, um seine Überzeugungen zu verbreiten. Die Menschen die sie teilen wollten, mussten lernen, sie zu verstehen. Man kann eine Gruppe sehr schnell an ursprünglichen Emotionen dynamisieren – Wut, Angst, Hass oder Gier. Adrenalin kriegt man leichter in Gang wie Oxytocin (Liebes-, Vertrauenshormon). Das braucht ein geeignetes Klima, um zu gedeihen, und die aufrichtige Bereitschaft des Menschen, sich (auf das Leben und aufeinander) einzulassen.

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