Dez
31

Muster nehmen einen zentralen Stellenwert in dem ein, was Wissen schafft: dem Gehirn. Bereits die Regionen unmittelbar hinter dem Auge erkennen und vervollständigen Bildmuster zum kompletten Sichteindruck. Das Meiste von dem, was wir sehen, sehen wir gar nicht wirklich. Das Gehirn fügt es aus Erfahrungsdaten dazu. Das muss es, weil das Auge nur die Änderung zum vorherigen Bild anliefert (sog. Delta-Informationen). Den Rest muss das Gehirn machen. Die Funktionalität bezieht sich auf alle Prozesse, auch die Kommunikation.

Einem Baby wird etwas erzählt. Mit bildgebenden Verfahren wird aufgezeichnet, welche Gehirnareale aktiviert werden. Das Baby erkennt das Sprachmuster. Wird das Sprachmuster rückwärts vorgespielt, signalisieren die Untersuchungsaufzeichnungen ein “Rauschen”. Ein Neugeborenes wird zu Allem dasselbe Rauschen erzeugen und darin versuchen Muster zu erkennen und zu vervollständigen. Hat es bereits Lauterfahrungen gemacht, sind sie rückwärts abgespielt nicht mehr erkennbar. Aus einem “Grrrr” würde ein “Rrrrg”, was eine ganz andere Bedeutung hat (erstickter Endlaut deutet auf defensive Ablehnung). Aneinandergereiht ergibt es noch weniger Sinn.

Intonation, Rhythmus, Lautstärke und Einzellaute tragen genügend bei, um festzustellen, ob der Urheber kampfbereit ist. Da braucht man keine Begriffe, solche Informationen mussten wir schon aufgreifen, lange bevor wir Sprache entwickelten. Zunächst würde ich Laut- und restliche Sprachmuster voneinander trennen. Sie enthalten unterschiedliche Informationen, die auch von unterschiedlichen Instanzen ausgewertet werden. Alle beteiligten Instanzen werten das Muster aus. Das Ergebnis ist ein Mischeindruck. Während die Laute eines Wortes grimmig klingen können (Ablehnung), kann die Satzmelodie z.B. auf ein Eingeständnis hindeuten (Zuwendung). Die Interpretation der Satzaussage, also der logische Content wird überwiegend bestimmen, wie die Person sich zum Gesagten stellt. Ob sie dabei allerdings ein insgesamt gutes Gefühl hat, wird durchaus von der “tierischen” Auswertung getragen. Wie stark, hängt von der Person ab. Kinder müssen sich den emotionalen Aspekten beispielsweise stärker widmen, weil ein Erfahrungshintergrund für den Aussagegehalt nur unzureichend vorliegt. Frauen tun das im Allgemeinen ebenfalls, weil ihre Sensibilität stärker ausgeprägt ist und ihre Denkweise auf die Verarbeitung emotionaler Aspekte ausgelegt. Sie bilden mehr Synapsen aus, als Männer. Das sind mehr Verbindungen unter den Aspekten, die sich schlechter differenzieren lassen aber eine umfänglichere Betrachtung erlauben.

Der Klang der Laute wird z.B. von der Körperhaltung beeinflusst, aufrecht oder gebückt. Der Resonanzraum verändert sich damit so, dass die Töne anders klingen. Diese Information wird von der Intuition sofort aufgegriffen. Bei der Vorstellung über die sprechende Person fließt sie ein. Ob jemand eine Aussage in gebückter oder aufrechter Haltung trifft, ändert die Stellungnahme des Angesprochenen.

Viele, sehr viele verkettete Einzelstränge münden in vielen, sehr vielen Reaktionspunkten. Während Ladung durch sie hindurch bzw. dorthin führt, wird oft, sehr oft die Entscheidung getroffen, ob und wo sie entlang läuft. Das Ergebnis ist ein Mischeindruck, dessen relevanteste Merkmale an den Optionen die Aktion bestimmen. Ablehnung und Zuwendung sind nicht unbedingt von Sympathie abhängig. Modernes Marketing geht aber deutlicher in diese Richtung, weil die Menschen erkannt haben, dass sie belogen werden und es dann oft nur intuitiv erkennen können. Gegenüber einem Sympathieträger ist das Vertrauen groß. Bereits körperliche Attraktivität trägt dazu bei. Ob man sich der sympathischer erlebten Person zuwendet, ist wieder eine andere Frage. Sie spielt ihre charismatische Wirkung vielleicht aus, um zu instrumentalisieren. Dann sind Vorbehalte angebracht.

Authentizität wird gut angenommen, ob sympathisch oder nicht. Davon ist nämlich immer weniger übrig geblieben, seit wir Kleidung tragen. Echtheit (Richtigkeit) erlaubt eine *klare* Einschätzung über das, was gefällt und was nicht. Form und Maß der Zuwendung sind daran bestimmbar. Die Unsicherheit sinkt (Schutztrieb), die Akzeptanz steigt und die Klarheit (Wahrheit) der Aussagen auch. Wer offen ist, verschleiert nichts. Die Wenigsten können sich das aber leisten.

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