Die wenigsten Menschen schöpfen ihr Glückspotential aus, schon daher, weil sie keine Vorstellung vom oberen Ende der Skala haben. Glück kann man außerdem nicht einfach kaufen, auch wenn einem das so gerne dargestellt wird. Mit der Generation Flatrate wurden in allen Richtungen die Grenzen menschlicher Extreme erreicht. Es scheint jedoch ein Phänomen unserer Zeit zu sein, nur noch die Oberfläche zu sehen und Symptome zu bekämpfen, als wüssten wir nicht längst, dass wir biologische Lebewesen mit Trieben und damit verbundenen Bedürfnissen sind, die wir als Kinder unserer jeweiligen Zeit und Kultur aus dem Entwicklungsstadium der jeweiligen Zeit rekrutieren.
Was wir kaufen, steht eigentlich nur repräsentativ für unser Inneres, ist ein zunehmend verzerrtes Sinnbild unserer Wesenszüge – materialisierte Dämonen wenn man so will. Bei allem was wir tun oder denken geht es um Verbesserung des aktuellen Status, die wir mit jenen Mitteln erreichen, die man uns als Kinder lehrte. Vergegenwärtige Dir, wie die Generationen nach dem Krieg aufgewachsen sind, welche Einflussfaktoren sie jeweils prägten und welche Auswirkungen das zwingend auf ihre Sicht der Welt und ihr Verhalten haben musste, aber auch ihre Reaktionen auf die nachfolgenden Entwicklungen.
Geschäfte und Supermärkte entstanden, und vor den Augen der Kinder tat sich ein wachsender Überfluss an Ressourcen auf. Die einzige Knappheit die sie kennen lernten war die von Geld, das alles war was man brauchte, um aus dem Vollen zu schöpfen. Wir begehren was wir sehen, und daher wird uns immer mehr vor Augen geführt das Kauflust weckt. Überfluss weckt bereits im Tierreich Übermut, denn die Lebewesen sind weniger gefordert. Da Disziplin eher was für schlechte Zeiten ist, wurden aus ansparenden Käufern schließlich Kreditnehmer. Davon, was oder wie wir es heute anwenden ist nichts natürlich oder selbstverständlich. Doch da es von Anfang des Lebens an da ist, wird es im Zuge der emotionalen Anpassung an die Umgebungsbedingungen so empfunden und bestimmt dann das Denken und Handeln des Erwachsenen.
Fakt ist: Ressourcen sind nicht unbegrenzt verfügbar.
Erlebt ist: Es gibt alles im Überfluss, man braucht nur Geld, damit man haben kann was man will.
Die Wahrheit ist: Einseitigkeit ist im Verlauf unserer Geschichte und der Evolution noch nie lange gut gegangen.
Evolutionär betrachtet hat Geld einst essentielle Emotionen so wie das soziale Gewissen abgelöst. Das Individuum braucht zum Überleben nicht das Wohlwollen und Vertrauen anderer Menschen, sondern nur noch deren Geld. In diesem Rahmen ist es manchmal erfinderisch, meist aber nur systematisch und treibt die Entwicklungen zunehmend einseitig voran. Das liegt daran, dass wir uns immer weniger investieren wollen, aber immer mehr dafür haben und nennen das dann “Rationalisierung” oder “Optimierung”, ohne die auf unvollständiger Kenntnis der Zusammenhänge basierende Perspektive (den eigenen Standpunkt) je verlassen zu haben. Das Leben ist nichts, das man sich mit einem Job erkauft, es ist eine Aufgabe und ein Auftrag zur gedeihlichen Entwicklung, die den ganzen Menschen fordert. Sie kann nicht ausschließlich außerhalb von uns selbst stattfinden, denn damit verlieren wir (uns).
Die Preisdrückerei führt vor Augen, wie wir die aktuellen Entwicklungen einzuschätzen haben, nämlich wert(e)los. Wobei das biochemisch gesehen gar nicht stimmt. Somit geht es uns nicht einmal um die Dinge die wir kaufen, sondern was sie an uns bewirken, sei es vor oder nach dem Kauf. Wir haben von klein auf gelernt, unserer Unzufriedenheit mit Konsum zu begegnen. Die biochemische Ausschüttung könnten wir aber auch “billiger” und besser haben und vor allem nachhaltiger, wenn wir uns mit dem angebrachten Respekt und weitsichtig an den Rahmenbedingungen orientieren, die für uns nach wie vor gelten. Für’’s Gehirn ist das nur eine Rechenaufgabe, für den Menschen muss es ein handlungsrelevantes Gefühl sein.