Okt
11

Geld entwertet alles, beziffert die einen Aspekte des Lebens unrealistisch, lässt die Unbezifferbaren durch den Rost fallen, nährt Schmarotzer, die nichts leisten, sondern nur noch Geld “machen”, indem sie andere enteignen. Status ist reiner Selbstzweck geworden, der völlig losgelöst von der Bedeutung eines Menschen für das Wohl anderer abgebildet werden kann.

Wir können so nicht weitermachen. Aber wen von denen, die über die Köpfe vieler hinweg entscheiden, interessiert das? – Fast möchte man den Eindruck gewinnen, sie denken nur an Sklavenplätze um Menschen zu “versorgen”, die sonst zu viel Zeit hätten nachzudenken, und die Interessen derer die immer noch nicht “genug” Geld haben. Als gäbe es das je!

Materielle Belohnung zerstört den natürlichen Altruismus. Das Geldsystem hat ihn ersetzt, erreicht jedoch nicht annähernd dessen umfassende Komplexität, scheitert daher an der Vielwertigkeit selbiger. Durch (Über)Regulierung wird nur noch alles komplizierter, die Entsprechung kann damit nur noch schlechter gelingen.

Nachdem ich den Film Earthlings ein Stück weit (hielt ihn nicht durch) gesehen hatte, weinte ich mich leer und war dann erst einmal fertig mit der Monster- ähm Menschenwelt… Kein Horrorfilm der je gedreht wurde, reicht an die reale Brutalität und Grausamkeit die da tagtäglich stattfindet heran. Niemand, der noch so etwas wie ein menschliches Herz hat, kann das wollen, trotzdem unterstützen die meisten von ihnen aus purer Gewohnheit unvorstellbare Grausamkeiten und Leiden. Ignoranz ist (dasselbe wie) Dummheit. Durch Duldung und billigende Inkaufnahme können wir selbst das nicht überwinden, was wir bereits als falsch erkannt haben.

Mai
04

Ein Verstand kann nur so gesund sein wie der emotionale Unterbau es zulässt. Um die Komplexität des Denkens zu vervielfachen, bedarf es eigentlich nur weniger neuer Werte. Die Grundwerte die unser Denken lenken kommen aus dem Triebsystem, und je nachdem wie intensiv die emotionale-soziale Verarbeitung ist, wird vom Bewertungssystem stärker differenziert oder weniger, machen wir uns Entscheidungen leicht, oder grübeln lange darüber nach. (Mit)Gefühl und soziales Gewissen sind die Pufferzone zwischen Reiz und Triebhandlung, und die wurde zurückentwickelt, weil Geld anstelle der Soziologie trat, die ebenfalls die Erfüllung aller Triebe gewährleistete, und einen weit höheren Anspruch an das Individuum stellt als sich seinen Vorteil einfach nur auszurechnen. Wir können eigentlich gar nicht mehr wissen, was das ist, ein “gesunder Menschenverstand”. Diejenigen die wir dazu befragen müssten, werden von uns allenfalls belächelt, weil das Streben nach Besitz und Herrschaft ihnen fern liegt.

Unser Verstand (dessen Datendurchsatz ja immer noch gleich klein ist, nämlich etwa 50 Bit / Sekunde) geht so vor: Er verknüpft einen Wert mit einem Symbol, und die weitere Entwicklung befasst sich nur noch mit dem Symbol und dessen Abstraktionen, aus denen wiederum neue Abstraktionen abgeleitet werden und so fort. So verloren wir die Bezüge zu den eigentlichen Werten, den Boden unter den Füßen. Vernunft hätte dies (vielleicht) verhindert, doch Vernunft bedarf einer hohen Wertebandbreite, damit sie überhaupt die “Mitte” trifft.

Das Geldsystem ist des Menschen Kind, etwas, das aus menschlichen Beweggründen hervorging, und diese abbildet, bzw. verstärkt. Die ersten Werkzeuge waren bereits Triebverstärker, wohingegen der Geldtrieb alle Triebe zusammenfasst, nicht zustätzlich zum, sondern anstelle des Sozialtriebes trat, der war ja “unprofessionell” und wurde in den Bereich “privat” und “Freizeit” verdrängt, wo er seinen Zweck, nämlich uns nachhaltig zu bevorteilen, aber nicht mehr erfüllen kann. Es geht in der Wirtschaft nur um Dinge die Triebe erfüllen. Etwas darüber hinaus ist kein Wirtschaftsfaktor mehr, sondern eher das Gegenteil, denn Mitgefühl und soziales Gewissen sind Hemmfaktoren.

Triebe sind allerdings auf Grund der platzsparenden Instinktmuster denen sie gehorchen, ziemlich einfältig, weil sie nur vage differenzieren können. Beim Geldsystem hingegen geht es darum so viel wie möglich davon zu bekommen und so wenig wie möglich davon wegzugeben. Nennt sich “Gewinnmaximierung”, “Rationalisierung”, “Optimierung” oder “Konsolidierung”, führt aber auf Grund der extremen Reduktion der jeweiligen Betrachtung mit zunehmendem Aktionspotential immer schneller zum Exzess (wie bei einem betriebsblinden neuronalen Netz).

Die neue Aufklärung die uns bevorsteht, wird ziemlich ernüchternd werden, bevor wir die Chancen erkennen, die in unserer Funktionalität stecken, unserer herausragenden Fähigkeit emotional zu differenzieren mit Hilfe von Mitgefühl und sozialem Gewissen, sofern wir es denn anwenden. Das Leben (er)fordert den ganzen Menschen. Das Geldsystem hingegen nur einen geringen Teil. Wie soll das reichen, unserer und der Komplexität unserer Lebensumgebung zu entsprechen? – Die Rechnung kann gar nicht aufgehen, und das wird sie auch nicht.

Geld müsste eigentlich wie ein Peer-to-Peer-Netzwerk funktionieren, ohne Verpuffer von Potentialen, die keine Leistung erbringen. Und auf Pump zu leben sollten wir ganz schnell wieder vergessen. Die Erde nimmt keine Zinsen. Was zu viel entnommen wird, regeneriert sich schlicht nicht mehr. Was Geld niemals sein kann: ein Ziel. Denn dann ist bereits alles andere Nebensache, wie beispielsweise die Qualität dessen, was man anbietet. Schaden oder Nutzen werden im Vorfeld bereits in Geldsummen definiert und nicht darin gesehen, was man für Geld anrichtet oder Neues schafft. Darauf aber kommt es letzten Endes an.

Wir verbrauchen so viel weil es da ist (um die Wirtschaft zu füttern), nicht weil wir es benötigen. Wäre weniger da, würden wir weniger verbrauchen, und nicht einen Deut mehr vermissen als jetzt. Im Gegenteil, was wir sehr bald vermissen werden ist all das, was wir unwiederbringlich vernichtet haben, um es zu „verkaufen“.

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Okt
15

Die am meisten verbreitete Form der Armut ist die Unzufriedenheit. Selbst Reiche fühlen sich dank ihrer immer noch zu arm. Das Geld kumuliert sich an ihnen, das ändert aber nichts daran, dass sie mit ihren Investitionen noch mehr davon erlangen wollen. Ist das alles, was man mit Geld bewegen kann?

So ist Geld *machen* wie Befriedigung ohne Erfüllung, daher hat das Fass auch keinen Boden. Es wird niemals reichen, denn es gibt davon nie so etwas wie *genug* (kein physischer Bezug). Wenn es uns um nachhaltige Entwicklung ginge, wäre Geld nicht mehr das Wichtigste, sondern jene Überlebensaspekte, die für eine nachhaltige Entwicklung essentiell sind. Wird das erfüllt, erfolgt günstigerweise die Ausschüttung (Ausschüttung ist Indikator, kein Selbstzweck!). Unser Gehirn arbeitet seit Jahrmillionen so, und es liegt auf der Hand, dass wenn wir es anders machen, es eigentlich nur verkehrt sein kann, weil wir dann nicht mehr mit unserer eigenen Funktionalität korrespondieren. Das Geld- und Wirtschaftssystem müssten uns entsprechen, nicht umgekehrt.

Was heute mit Geld *bestätigt* wird, ist vielfach nicht mehr *richtig*, da es auf Kosten anderer und ihrer Lebensumgebung geht. Denn alle essentiellen Überlebensaspekte gilt es zu berücksichtigen, damit sich überhaupt so was wie Glück (Indikator für beste Überdauerungsfähigkeit) einstellen kann (unser Gehirn weiß darüber mehr als wir ;-)). Das hält uns offen für vielfältige Eindrücke, und das Leben ist voller Freuden.

Stress hingegen (wie ihn finanzieller Druck – unabhängig davon, wie viel Geld einer hat – erzeugt) fördert das gegenseitige Misstrauen, verursacht einen Tunnelblick, die Aufnahmebereitschaft ist erheblich reduziert, das Gehirn wendet sich dann nur jeweils einem Aspekt zu (dem Stressfaktor, und sei es der vermeintliche). Das ist die eigentliche Armut unter der wir *leiden*, und sie betrifft unsere gesamte Gesellschaft.

Nur glückliche Menschen sind wirklich reich.
(inspiriert von der Fragestellung in einem Forum, wie Armut in Deutschland wahrgenommen wird)

Sep
23

Damit Wirtschaft wächst, muss sie mit immer mehr Rohstoffen gefüttert werden, und die Menschen immer raffinierter manipulieren, damit sie die Produkte, die sie ja zu weiten Teilen eigentlich nicht wirklich brauchen, auch kaufen.

Die Angst des Menschen, kein Geld mehr zu haben steht in keiner Relation zu den Ängsten die wir eigentlich haben müssten, die wir unseren *Vorteil* aus der Benachteiligung anderer rekrutieren, wofür es weder Not noch Entschuldigung gibt. Wenn aber unser (emotionales) Bewertungssystem die Realität die außerhalb von Geldsummen liegt nicht mehr einschätzen kann, dann kann es unser Denken erst recht nicht. Denn es kann nur mit den *Werten* rechnen, die es kennt. Von allen Irrtümern der Menschheit könnte der Kapitalismus der bislang größte gewesen sein.

Wenn das Finanzsystem zusammenbrechen muss, damit wir menschengerechtere und mehr Aspekte berücksichtigende Strukturen hervorbringen können, ist mir persönlich lieber, es geschieht heute als morgen. Denn jeder Tag an dem es so weitergeht, werden echte Werte vernichtet und menschliche Potentiale gehemmt. Die Entwicklungen, da bin ich zuversichtlich, werden auch ohne virtuelle Luftblasen weitergehen. Vielleicht bekommen diesmal dann andere Wesenszüge als Gier (wieder) eine Chance, sich durchzusetzen wie Kreativität, Mitmenschlichkeit, menschliche Größe, echte Individualität.

Jun
24

Immer und immer wieder lese ich von Entrüstungen über Managergehälter und Reaktionen die da lauten – “Ihr seid ja bloß neidisch”. In einer Welt voller Gier mag Neid allerdings durchaus angebracht sein.

Wenn Geld noch was mit verdienen zu tun haben soll, dann ist es mit geschickter Umverteilung zu Ungunsten anderer schlicht und einfach nicht getan. Fällt das eigentlich keinem von den *Neiddebattlern* auf? – Oder gehören die selbst schon zu denen die beneidet werden oder gerne mal beneidet werden wollen? Das eigene Wohl nur noch an immer mehr Geld definiert? – Bissl dünn oder…?

Sich schnell mal – ohne an die Folgewirkungen zu denken – ein paar Millionen unter den Nagel zu reißen zeugt wohl von einem gewissen einseitigen Geschick, das reicht aber noch lange nicht, um Intelligenz abzubilden. Unsere Vorfahren haben vor vielen Millionen Jahren gelernt, sich von der jeweils einseitigen linearen Triebsteuerung abzuheben. Es wird höchste Zeit, dass unsere eigenen Kreationen das auch mal lernen. Sonst werden sie nämlich zu unserer schlimmsten evolutionären Konkurrenz.

Ehrlich gesagt kapiere ich oft nicht, wo Menschen überall wegsehen. Das erklärt aber auch, warum wir überhaupt solche Debatten führen. Einseitige Sichtweisen führten dazu. Jeder ist sich selbst der Nächste, meint er. Das ist ein Irrtum. Erfolg ist immer noch eine Frage von Akzeptanz. Manipulationen um sich diese zu erschleichen werden in Anbetracht der zunehmend offensichtlicher werdenden Motive und fatalen Nebenwirkungen auf Dauer immer schlechter funktionieren. Der Verstand mag ja einseitig sein, das Gehirn ist es nicht. Darauf zu hören kann Leben retten.

Eigentlich zählt nur eine einzige Frage wirklich, nämlich “Bin ich glücklich?”

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