Jun
08

Die Politiker die sich entschlossen, Killerspiele zu verbieten, setzen nicht im Mindesten Fantasie ein mit der sie erkennen könnten, dass die Virtualisierung von Lebenserfahrungen die man in der modernen Gesellschaft nicht praktisch erwerben kann, nicht erst jetzt begonnen hat. Durch Interaktivität haben wir nur erreicht, dass es uns realer erscheint. Die Moral von der Geschichte ist ja gerade, Aggressionen und Gewalt nicht real ausleben zu müssen. Diese Kompensation funktioniert zudem umso besser, je realistischer die Darstellung ist. Wenn jemand eine solche Erfahrung in der Realität umsetzt sagt das allenfalls aus, dass ihm das Erlebnis noch nicht realistisch genug war.

Der Grund, den Amokläufer für ihre Taten vorgeben ist irrelevant. Erstens ist er konstruiert, und zweitens liegt er auf der Hand. Sie wollen Bedeutung haben.

Sep
18

Wo hört die Wahrheit auf und fängt der Irrtum an? Was ist eine Lüge? Wo bleibt der Spielraum für die Fantasie, die Idee, die Vision, die Unvoreingenommenheit?

Am Anfang war das Wort, und das Wort war mächtig. Aber es ist nichts weiter als ein Symbol, verknüpft mit einem Wert, oder einer Ansammlung von Werten – einem Muster. Eine Feststellung lässt sich damit – abstrahiert und verdichtet – von einem Gehirn ins nächste kopieren. Aber deswegen versteht sie doch nicht jeder gleich, und Bedeutungen verändern sich mit den Erfahrungen nachfolgender Generationen. Begriffe, bei denen unsere Großmütter noch rot wurden, gehören mittlerweile zum Standardvokabular. Hach, ist das geil!

Das einzig Beständige sind die Werte, denn sie sind fundamental. Nur mit welcher Symbolik wir sie verknüpfen, veränderte sich im Laufe der Zeit, unterscheidet Kulturen voneinander, und neue Verhaltensweisen und Lernroutinen gingen daraus hervor. Die Erfahrungsdaten des ganzen Lebens vorhaltende, informationsdichte Werteebene des Gehirns, die Intuition, ist dem Verstand ein Rätsel. Denn nonverbales Denken ist nicht linear übertragbar.

Kann ein Mensch mit seinem Verstand das Universum vollumfänglich erfassen? – Nur die Intuition kann den vollen Erfahrungsbestand des Gehirns zeitnah verarbeiten, und schon der ist selektiert und abhängig von den individuellen Reizschwellen des wahr-Nehmenden. Die Chance, auf einen Wahrheitsvolltreffer beim linearen Stochern stehen nicht besonders gut. Daher haben wir uns auch immer wieder geirrt bezüglich der Beschaffenheit der Welt, und können keineswegs sicher davon ausgehen, dass wir zwischenzeitlich richtig(er) liegen. Heute gilt das als wahr, und morgen zeigt sich ein neuer Aspekt, und dann wird genau das Gegenteil für wahr erklärt. Manche bekommen es mit, andere nicht. Macht aber nichts, übermorgen kann es eh schon wieder umgekehrt sein. Dann kann man genau so gut beten, und sich die Welt als zukünftiges Paradies denken, sich dabei geborgen und geschützt fühlen und das dann einfach leben. Denn was wir fühlen mag subjektiv sein, aber was daraus hervorgeht, das ist real.

Zwischen dem Lebewesen und seiner Umgebung muss zumindest in soweit Harmonie vorherrschen, dass die vom Lebewesen eingebrachte Dynamik die Umgebungsbeeinträchtigung im regenerierfähigen Rahmen belässt, und so erhält, worauf das Wesen zum nachhaltigen Fortbestand angewiesen ist. Nahezu jedes Mitgeschöpf auf Erden hält sich daran, und ist in seiner Wirkung nachhaltiger als wir – aus einem einfachen Grund – es hat keinen Verstand, der das eh schon gefilterte noch mal – und zwar massiv – vorselektiert und reduziert. Ursprung dafür ist immer noch das Triebsystem.

Ein Verstand ist als ergänzender Verarbeitungsmechanismus geeignet, um Detailschärfe zu erlangen, aber er ist kein Ersatz für Gefühle und Soziologie. Er sperrt den Erfasser des Welt-Raumes sonst aus diesem aus, und lässt nur noch ein winziges Schlüsselloch, wodurch er die Bedeutung dessen was er sieht, nur unzureichend erraten kann. Das ist wie eine weiße Wand mit einer Stecknadel streichen zu wollen. Daher sind wir auch so desillusioniert, und die Dinge verlieren ihre Magie, nachdem wir sie *analysiert* haben, denn ihre Bedeutung verstehen wir nicht, da wir die weitreichenden Zusammenhänge durch den winzigen Ausschnitt des Verstandes nicht mehr sehen können. Fast möchte man glauben, dass wir vor lauter Wissen das Sehen verlernten.

Es ist spannend zu forschen, doch wir müssen nichts beweisen. Unser Job ist es zu überdauern. Und wenn die Lehren über Gott zur Orientierung, einem tieferen Selbstverständnis und zur friedfertigen Persönlichkeitsentwicklung des Individuums beitragen, dann kann ich daran nichts Falsches sehen. Wer weiß, ob nicht das vielleicht der einzige Grund dafür ist, dass wir noch da sind.

Wir sind so viel mehr als unsere paar Worte ausdrücken können. Doch wie hätten die frühen Menschen diese Ahnung anders ausdrücken können, als in Symbolik die für Werte und Potentiale jenseits aller, ganz besonders aber der Vorstellungskraft unseres Zeitalters steht? – Gott wurde als ewig (an)erkannt. Wir kapieren die Bedeutung unserer eigenen Symbole vielleicht nur (immer noch) nicht. Womit denn auch?

Kehrt man das Denken um (in Wirkungen denken statt in Vorstellungen), wirkt der Glaube an Gott wirklichkeitsnaher als unser asozialisierendes Geldsystem. Damit will ich keine Abgrenzung schüren, das würde das Konzept negieren, und beeinträchtigen was herauskommt, wenn einer die Reise ins Ich aus freien Stücken auf sich nehmen will.

Jul
26

“Investiere (Dich) so wenig wie möglich und hol so viel für Dich heraus wie Du kannst” – ist wohl eine der ältesten Strategien des Lebens. Daneben hat es mit steigender Komplexität immer wieder neue, zusätzliche Methoden entwickelt sich zu erhalten, zu reproduzieren und zu entwickeln, dass es dabei auf unzählige Aspekte ankam die passen, korrespondieren, ineinandergreifen mussten ohne sich dabei gegenseitig zu negieren. Von jenen die wir selbst anwenden, durchblicken wir nur einen geringen Bruchteil, dieser aber bestimmt unsere Orientierung. Je komplexer eine Lebensform ist, umso mehr in ihr und um sie herum muss störungsfrei ineinandergreifen, damit sie dauerhaft am Bestand bleibt.

Sich mit Haut und Haaren ins (Über)Leben zu investieren – damit ist fühlbare Intensität verbunden, die zu verteilen unser Gehirn wenig Gelegenheit bekommt. Denn wir wollen es lieber einfach und bequem und wundern uns dann, wieso uns das Leben langweilt. Gemeint war es *gut*, doch rückten wir mit der Automatisierung immer weiter von Kern unseres Wesens ab. Je höher die Produktivität wurde, umso geringer die Bereitschaft zu teilen. Territorien werden heute über Markierungen (Markenplatzierung) in Gehirnen gesteckt. Wo sich diese Form des Territorialkampfs noch nicht durchgesetzt hat, führt der Mensch noch eine andere Form von Krieg – nicht nur aber auch – aus Mangel, weil der moderne Eroberungsfeldzug so viele Ressourcen frisst, dass es nicht für alle reicht, obwohl genügend da wäre.

Gefangen zwischen NULL und 100

So viel einer auch hat oder erreicht, bleibt er doch in der selben Skala biochemischer Ausschüttungen gefangen wie seine frühen Vorfahren – erreicht die eigentlich nicht mal, weil was einer vor ihm bereits erschloss und daher nur allzuleicht und routintiert gelingt, zu keiner (nennenswerten) Ausschüttung führt (systematisches Lernen zum Beispiel). Wer mehr hat will mehr, das Mehr ist der Selbstzweck, sonst ist da kein *fühlbarer* Unterschied, der ihm als wohlbefindenssteigernde Ausschüttung auf die Schultern klopft. Das Gehirn weiß um den Betrug. Die Intensität beträgt nur noch Bruchteile dessen, wozu ein Mensch an Lebensqualität fähig ist. Vor dem Hintergrund ständiger Unzufriedenheit hat das Lebengsglück es schwer, sich einzustellen. Die Kompensationsmaßnahmen werden gesteigert, und mit ihrer Zunahme steigt auch ihre Destruktivität.

Jeder Mensch, dessen Wohlbefinden wir herabsetzen oder dessen Herabsetzung zulassen, ist ein potentieller destruktiver Umweltfaktor, und das nur neben dem, was wir sonst noch mit der Welt anrichten

An falscher Stelle suchen wir vergeblich

Eigentlich hätten wir nur ganz einfach wieder gerne das *Weihnachten*, wie wir es als Kinder einmal kannten, während man aber bereits eifrig dabei war, uns mit Maßnahmen vertraut zu machen, die uns davon entfernten, uns aber gleichzeitig Bilder vor Augen führte, dass es sich anders verhielte. Sehr verwirrend das alles. Da weiß ein Gehirn gar nicht mehr, was es als emotionale Information rausschicken soll – auf undifferenzierte Insuffizienzeindrücke hin generieren wir dann Stress. Denn was sich nicht klar einschätzen lässt, könnte schließlich bedrohlich sein, weiß der Körper seit Millionen von Jahren.

Zusehen statt selbst zu (er)leben

Statt selbst emotional zu (er)leben wenden wir uns dem Emotionsvoyerismus zu, halten das alles für Fiktion und es verlässt uns der Mut, so glücklich sein zu wollen wie *die im Film*. Für das kitschige Pantoffelkinospektakel wird das Taschentuch gezückt, aber im wahren Leben wurden Emotionen als unprofessionell aus dem Wirtschaftsleben, das uns immer mehr einnimmt, exkludiert. Und nun stellt sich – ops – heraus, was uns emotional nicht tangiert, bewegt auch nicht unsen Geist (hieß ja auch Trägheit des Herzens UND des Geistes).

Fantasie, Vorstellungsvermögen, für große Ziele (ein)zustehen, das alles erfordert mehr als bloßes faktisches Wissen. Es fordert – uns. Damit wir die Bereitschaft entwickeln, uns einzubringen muss es nicht zu tun allerdings schmerzhafter sein. An dieser Stelle kommt das Vorstellungsvermögen ins Spiel (und die Emotionen die wir dazu haben). Fantasielosigkeit und Emotionsarmt gehen Hand in Hand. Gegenzusteuern bevor ein nicht wieder gut zu machender Schaden eintritt, ist eine reine Frage der Gewichtung (emotional) erfasster Werte. Bei sensitiven Menschen tritt das Empfinden der Unerträglichkeit der Lage im Falle einer drohenden Fehlentwicklung früher ein – daher sind sie potentiell die Innovativen.

Die Wirtschaft lehnt sie erst einmal ab, weil das Bestehende hinterfragt, kritisiert, zu verändert werden droht (noch bevor es vollständig ausgereizt, der Point of no Return erreicht ist), würde sie sich auf die Anliegen *von unten* einstellen. Erst wenn der Schmerz der von unten nach oben drückt auch ihr weh zu tun droht, ist ein Einlenken zu erwarten, und das kann bei den immer kürzer werden Innovationszyklen die wir haben, schneller wie wir uns vorstellen auch schon zu spät sein. Daher müssen viele Menschen zum Ausdruck bringen, dass und was sie anders wollen.

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