“Investiere (Dich) so wenig wie möglich und hol so viel für Dich heraus wie Du kannst” – ist wohl eine der ältesten Strategien des Lebens. Daneben hat es mit steigender Komplexität immer wieder neue, zusätzliche Methoden entwickelt sich zu erhalten, zu reproduzieren und zu entwickeln, dass es dabei auf unzählige Aspekte ankam die passen, korrespondieren, ineinandergreifen mussten ohne sich dabei gegenseitig zu negieren. Von jenen die wir selbst anwenden, durchblicken wir nur einen geringen Bruchteil, dieser aber bestimmt unsere Orientierung. Je komplexer eine Lebensform ist, umso mehr in ihr und um sie herum muss störungsfrei ineinandergreifen, damit sie dauerhaft am Bestand bleibt.
Sich mit Haut und Haaren ins (Über)Leben zu investieren – damit ist fühlbare Intensität verbunden, die zu verteilen unser Gehirn wenig Gelegenheit bekommt. Denn wir wollen es lieber einfach und bequem und wundern uns dann, wieso uns das Leben langweilt. Gemeint war es *gut*, doch rückten wir mit der Automatisierung immer weiter von Kern unseres Wesens ab. Je höher die Produktivität wurde, umso geringer die Bereitschaft zu teilen. Territorien werden heute über Markierungen (Markenplatzierung) in Gehirnen gesteckt. Wo sich diese Form des Territorialkampfs noch nicht durchgesetzt hat, führt der Mensch noch eine andere Form von Krieg – nicht nur aber auch – aus Mangel, weil der moderne Eroberungsfeldzug so viele Ressourcen frisst, dass es nicht für alle reicht, obwohl genügend da wäre.
Gefangen zwischen NULL und 100
So viel einer auch hat oder erreicht, bleibt er doch in der selben Skala biochemischer Ausschüttungen gefangen wie seine frühen Vorfahren – erreicht die eigentlich nicht mal, weil was einer vor ihm bereits erschloss und daher nur allzuleicht und routintiert gelingt, zu keiner (nennenswerten) Ausschüttung führt (systematisches Lernen zum Beispiel). Wer mehr hat will mehr, das Mehr ist der Selbstzweck, sonst ist da kein *fühlbarer* Unterschied, der ihm als wohlbefindenssteigernde Ausschüttung auf die Schultern klopft. Das Gehirn weiß um den Betrug. Die Intensität beträgt nur noch Bruchteile dessen, wozu ein Mensch an Lebensqualität fähig ist. Vor dem Hintergrund ständiger Unzufriedenheit hat das Lebengsglück es schwer, sich einzustellen. Die Kompensationsmaßnahmen werden gesteigert, und mit ihrer Zunahme steigt auch ihre Destruktivität.
Jeder Mensch, dessen Wohlbefinden wir herabsetzen oder dessen Herabsetzung zulassen, ist ein potentieller destruktiver Umweltfaktor, und das nur neben dem, was wir sonst noch mit der Welt anrichten
An falscher Stelle suchen wir vergeblich
Eigentlich hätten wir nur ganz einfach wieder gerne das *Weihnachten*, wie wir es als Kinder einmal kannten, während man aber bereits eifrig dabei war, uns mit Maßnahmen vertraut zu machen, die uns davon entfernten, uns aber gleichzeitig Bilder vor Augen führte, dass es sich anders verhielte. Sehr verwirrend das alles. Da weiß ein Gehirn gar nicht mehr, was es als emotionale Information rausschicken soll – auf undifferenzierte Insuffizienzeindrücke hin generieren wir dann Stress. Denn was sich nicht klar einschätzen lässt, könnte schließlich bedrohlich sein, weiß der Körper seit Millionen von Jahren.
Zusehen statt selbst zu (er)leben
Statt selbst emotional zu (er)leben wenden wir uns dem Emotionsvoyerismus zu, halten das alles für Fiktion und es verlässt uns der Mut, so glücklich sein zu wollen wie *die im Film*. Für das kitschige Pantoffelkinospektakel wird das Taschentuch gezückt, aber im wahren Leben wurden Emotionen als unprofessionell aus dem Wirtschaftsleben, das uns immer mehr einnimmt, exkludiert. Und nun stellt sich – ops – heraus, was uns emotional nicht tangiert, bewegt auch nicht unsen Geist (hieß ja auch Trägheit des Herzens UND des Geistes).
Fantasie, Vorstellungsvermögen, für große Ziele (ein)zustehen, das alles erfordert mehr als bloßes faktisches Wissen. Es fordert – uns. Damit wir die Bereitschaft entwickeln, uns einzubringen muss es nicht zu tun allerdings schmerzhafter sein. An dieser Stelle kommt das Vorstellungsvermögen ins Spiel (und die Emotionen die wir dazu haben). Fantasielosigkeit und Emotionsarmt gehen Hand in Hand. Gegenzusteuern bevor ein nicht wieder gut zu machender Schaden eintritt, ist eine reine Frage der Gewichtung (emotional) erfasster Werte. Bei sensitiven Menschen tritt das Empfinden der Unerträglichkeit der Lage im Falle einer drohenden Fehlentwicklung früher ein – daher sind sie potentiell die Innovativen.
Die Wirtschaft lehnt sie erst einmal ab, weil das Bestehende hinterfragt, kritisiert, zu verändert werden droht (noch bevor es vollständig ausgereizt, der Point of no Return erreicht ist), würde sie sich auf die Anliegen *von unten* einstellen. Erst wenn der Schmerz der von unten nach oben drückt auch ihr weh zu tun droht, ist ein Einlenken zu erwarten, und das kann bei den immer kürzer werden Innovationszyklen die wir haben, schneller wie wir uns vorstellen auch schon zu spät sein. Daher müssen viele Menschen zum Ausdruck bringen, dass und was sie anders wollen.