Das bevorstehende Jahr 2009 verheißt eine spannende Zeit. Einerseits steht es als Astronomiejahr 2009 im Zeichen der Sterne. Längst nicht allen ist das Verwandtschaftsverhältnis bewusst, das uns mit den Sternen da draußen verbindet. Die Elemente aus denen wir bestehen, wurden durch Kernfusion in Sonnen gebildet.
Charles Darwins Geburtstag jährt sich am 12. Februar zum 200. Mal. Seine Theorie wird mit neuen Aspekten neu beleuchtet, neu verstanden, und unser Selbstverständnis als Menschen erweitern. Evolution ist ein hoch komplexer, fein vernetzter, aufeinander abgestimmter, vielschichtiger Vorgang, der sich in unserer Gedankenwelt fortsetzt. Die ihr zu Grunde liegenden Mechanismen machten wir nutzbar, lange bevor wir sie konkret benennen konnten.
In der Mathematik bilden (Zahlen)Werte die Basis der Informationsverarbeitung, und in der Informatik ebenso, sei sie nun konventionell oder intelligent. Da es sich bei unserem um ein Kognitionsmodell handelt, vermute ich die Basis der Informationsverarbeitung am Menschen ebenfalls auf dieser grundlegenden Ebene. Sie hat den Vorteil in ihrer Verarbeitung sehr schnell zu sein, da sie Mustererkennung und -vervollständigung nutzt und in Form eines komplexen Mischeindrucks (Gefühl) biochemisch abbildet. Bis zu dem Punkt entrinnen wir bei der Ergebnisfindung dem Effekt massiver Verlangsamung durch Progression. Ich vergleiche Intuition daher gerne mit Wasser, das unmittelbar in der Lage ist, die Form des Gefäßes anzunehmen, in das man es gießt. Die Zahl seiner Berührungspunkte mit der Umgebung ist kaum zu beziffern.
Vergleichbar verhält es sich mit dem intuitiven Eindruck, bei dem der Erfahrungshintergrund unseres ganzen bisherigen Lebens beteiligt ist. Derart viele Daten führen bei der im Gegensatz dazu linearen Verarbeitung zu einer Verlangsamung der Ergebnisfindung, wenn das System zum Beispiel jeden Aspekt mit jedem vergleichen muss, um sich ein Urteil zu bilden. Da hilft nur eines – wenn nicht das gesamte Bild erfasst werden kann, muss der Verstand das eben Pixel für Pixel tun. Irgendwann, vielleicht erst nach Generationen, ergibt sich aus vielen Einzelteilen ein stimmiges Gesamtbild, auch wenn wir uns womöglich damit abfinden müssen, dass da immer Unschärfen bleiben werden. Nun haben wir unser Wissen jedoch auf viele Gehirne verteilt, und der interdisziplinäre Austausch gestaltet sich nicht so einfach, doch immerhin wurde seine Bedeutung bereits erkannt, und er findet statt.
Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Verstandes ist im Gegensatz zu jener der Intuition von der Progression betroffen, was unter anderem dazu führte, dass Lehrpläne gestaucht werden, und wir von zunehmend komplizierteren und zum Teil sich widersprechenden Regelwerken umgeben sind, die unser Verhalten unter Kontrolle halten sollen, was durch gezielte Kanalisierung um die Regeln herum jedoch zum Kontrollverlust zu führen droht. Eine Wiederherstellung der Bezüge zu den grundlegenden Werten könnte dem entgegen wirken. Fundamental wäre nach meiner Definition eine Denkebene unterhalb des Verbalisierbaren, die sich direkt auf Werte bezieht und diese – auch losgelöst von mit ihnen verknüpfter Symbolik – versteht und aktiv anwendet, gewissermaßen prinzipienorientiert funktioniert, um die nach wie vor sehr schnelle Mustererkennung zu re-integrieren und ihre eklatanten Vorteile zu nutzen. Das wiederum hätte massiven Einfluss auf die Lernfähigkeit, fast schon egal, um welchen Themenbereich es sich handelt.
Die Anpassung des Menschen ist jedoch keine Frage ermittelter Fakten, sondern der Berührtheit. Denn was immer wir denken und tun ist daraufhin orientiert, das individuelle Wohlbefinden zu steigern. An der Botenstoffformel führt kein Weg vorbei, da sie die Überlebensformel ist, seit es Gehirne gibt. Dass wir danach streben was wir wollen (Gewichtung > auch die Entscheidung gegen das eigene Interesse zu handeln, z.B. zugunsten der Gruppe, entsteht so), können wir also nicht beeinflussen, sehr wohl aber Anzahl und Art der Parameter (Aspekte, zu denen wir eine Beziehung herstellen, um sie werten zu können) die wir in unsere Wunschvorstellungen hineinpacken. Die können sich nur an der Landkarte orientieren, die sich das Gehirn im Laufe seines Lebens von der Umgebung und dem Wesen selbst (Selbstverständnis/[Selbst]bewusstsein), gebildet hat. Je höher der Anspruch an uns selbst dabei ist (bis hin zur Erfüllung aller Bedeutungskriterien > fließende Entwicklung, wie sie heute durch das hierarchische Denken und Verhalten blockiert wird, und begünstigt wurde ihre Entstehung durch die Haltung, dass jeder nur auf sich schaut), umso gewaltiger wird das Feuerwerk in unserem Gehirn, wenn die Rechnung dann aufgeht.
Man könnte also sagen, sozial orientierte und umweltbewusste Menschen sind die wahren Egoisten. Sie werten mehr von dem, was für ihr Überleben wichtig ist. Die vielen Berührungspunkte zur Umgebung haben noch einen weiteren Vorteil: das Belohnungspotential ist höher. Sie müssen nicht ständig Reizschwellen hochschrauben, um an immer wieder derselben Sache einen Kick, eine Ausschüttung, zu erzeugen. Die einseitige Fokussierung des einwertigen Verhaltens erzeugt Stress, wohingegen vielwertige Menschen ein flexibleres und ausgewogeneres Leben führen können. Da sie sich allerdings der globalen Zusammenhänge stärker bewusst sind, ist es furchtbar für sie, mit Ignoranz und deren Folgen konfrontiert zu sein. Entziehen kann sich dem ja keiner, und niemand weiß (spürt) das besser als sie.
Wir sind einzigartige Lebewesen, die einen aktiven Einfluss auf die Beschaffenheit ihrer Gehirnstruktur ausüben können. Jedoch immer dann, wenn wir uns feste Urteile bilden, gehen Schnittstellen verloren an denen wir andernfalls noch lernen könnten (bzw. feiner auflösen, besser differenzieren). Da sind wir dann nicht mehr wie Kinder, nämlich so offenherzig. Unabhängig von ihrer Herkunft oder Rasse begegnen sie sich freundlich, im Vertrauen darauf, voreinander nichts zu befürchten zu haben. Erwachsen werden geht also in gewisser Weise mit Verlusten einher, von Vertrauen, Offenheit, Träumen, Visionen, Vorstellungsvermögen. Ein Mensch, der potentiell alles werden könnte, wird auf das zurechtgestutzt, was in seinem späteren Leben relevant für seine Existenzsicherung sein wird, die Geldbeschaffung. Und plötzlich ist alles Denken nur noch auf einen Wert reduziert. Die Verstandesebene ist dabei dominant, schließlich muss man mit Geld ja nur rechnen.
Menschen lernten, ihre Vorurteile mehr zu lieben als die Wahrheit, zumal sie vom Gehirn bereits belohnt wurden, und ihre Bestätigung erneut eine Belohnung zur Folge hat, was sie noch tiefer prägt. Konnten wir bei der mündlichen Überlieferung diese fließend entwickeln und an neue Gegebenheiten anpassen, war die Weiterentwicklung der Inhalte durch fortlaufende Erweiterung des Wortschatzes mit der schriftlichen Überlieferung abgeschlossen. Entwickeln konnte sich nur noch die Interpretation. Bereits die Anwendung von Schriftzeichen hatte Kritiker. Die befürchteten, die Menschen würden dann weniger auf ihre eigenen Erkenntnisse bauen, sondern sich stattdessen zu sehr auf Geschriebenes verlassen. Lesen und verstehen sind jedoch völlig unterschiedliche Vorgänge. Wir werden die Dinge niemals so verstehen wie sie sind, sondern wie es unserem Auffassungsvermögen entspricht. Die geeignete Haltung, seiner eigenen Fehlbarkeit zu entsprechen wäre – Demut, ihre Missverständnisse fortlaufend zu korrigieren hingegen Wahrhaftigkeit.
Sprache konnte immer nur das festhalten, was der Mensch in der jeweiligen Epoche in Worte fassen, in Worten erfassen kann. Schon daher habe ich die Frage ob etwas wahr ist durch die Frage ersetzt, wie etwas wahr ist. Denn Fakten können niemals gegeneinander stehen. Sie existieren nebeneinander. Was unser Gehirn daraus macht, ist nur unsere Realität. Die Wirklichkeit, Summe all dessen, was in und um uns wirkt, kann hingegen ganz anders sein als wir sie – ohnedies nur bruchstückhaft, da nach biologischen Bedeutungskriterien gefiltert – erfassen.
Eine Kernbotschaft in allen Weltreligionen die ich verstanden zu haben glaube ist jene, dass solche Behauptungskämpfe für ein Wesen unseres – stets steigenden – Aktionspotentials nur in den Untergang führen können. Das ultimative Mittel gegen Gewalt ist – unschwer zu erraten – Liebe. Wir kennen ja mittlerweile, was biochemisch in uns abgeht, wenn wir lieben. Der biochemische Aspekt ist nur das physische Abbild einer anderen gegenüber offeneren Haltung von Gewogenheit, Vertrauen, Schnittstellen nach außen anbietend, Austausch, Informationsfluss, Synergien, Überleben durch die Sorge umeinander. Den, der dieselben Ansichten mit uns teilt zu akzeptieren, das ist leicht. Erst bei Andersdenkenden wird das Üben von Akzeptanz zu einer mentalen Herausforderung. Doch je größer die Differenz der Anschauungen, umso mehr könnten wir voneinander lernen. Die Gegenposition hingegen lehrt uns – nichts.
Wenn jeder gibt, haben alle genug. Wenn jeder nur immer mehr für sich nehmen will, wird es nie für alle reichen. Seit Jahren bin ich hin- und hergerissen zwischen Argumenten die dafür sprechen, dass wir ein Miteinander hinbekommen können und solchen, die dagegen sprechen. Je nachdem, was gerade präsenter ist, bin ich dann am Boden zerstört oder voller Zuversicht und Tatkraft. Die Wahrheit ist: ich weiß es nicht und habe mich damit abgefunden, dass ich darüber keine Gewissheit erlangen werde. Aber die Hoffnung darauf dass vor uns eine großartige Zukunft liegen könnte, lasse ich mir nicht nehmen. Wo Entwicklung stattfindet, sind Veränderungen unvermeidlich. Worauf wir dann am meisten Wert legen, bestimmt die Richtung unserer weiteren Entwicklungen. Nur Werte, die wir in der Verarbeitung berücksichtigen, gelangen in das, was wir manifestieren. So subjektiv Gefühle auch sein mögen, so ist es die Realität, die sie um uns schaffen, schon nicht mehr. Unsere Kinder und wir müssen mit all dem leben, worin wir keine Liebe investieren, und was sie demzufolge auch nicht widerspiegeln, nicht vermitteln kann. Selbst an das Gefühl, kein Gefühl zu haben, gewöhnt man sich dann als Mensch. Die verbleibenden undifferenzierten Insuffizienzeindrücke werden auf eine Art und Weise kompensiert, die uns alle teuer zu stehen kommt.
Wir sind nicht mehr wie andere Lebewesen. Niedrige Beweggründe mögen wir in unserem Handeln auf Grund der fortgeschrittenen Abstraktion daher nicht mehr vermuten. Dass ein Planet von einer Spezies derart malträtiert wird wie die Erde durch uns, ist jedoch schwerlich mit Vernunft zu begründen. Wir geben uns mit Prognosen über Vernichtungsgrade zufrieden als könnten wir nichts dagegen tun. Das fand ich als Kind schon befremdlich. Heute nur noch mehr. Jeder kann. Und es kommt viel mehr dabei heraus, als es nur von anderen zu fordern.
Der als Motivator eher bedeutungslose Verstand ist dabei für die scharfe Detailsicht zuständig und unterstützt uns dabei, die emotionale Differenzierung zu vervollkommnen, und einen Menschen so zur Vernunft zu bringen. Je höher der Anspruch an uns selbst ist, umso gewaltiger wird das Feuerwerk in unserem Gehirn, wenn die Rechnung dann aufgeht.
Nächstenliebe (Akzeptanz) ist meines Erachtens die vernünftigste Konsolidierung, die den Menschen jemals nahe gebracht worden war. Kein Unwohlbefinden würde in einer umsorgenden Umgebung lange vorhalten. Die nächste “Aufklärung”, die aus weiträumigen interdisziplinärem Denken hervorgeht (Kreise schließen sich), wird uns an große, mit unserem Verstand einhergegangene Missverständnisse führen, was aber ein riesen Entwicklungsschritt, eine riesige Chance für uns sein kann. Wir sind einfach besser, wenn wir mit einem Werkzeug umgehen, das wir verstehen. Das mächtigste Werkzeug das wir haben, ist unser Gehirn, als kreatives Gestaltungsmittel und intelligent bewertender Indikator für die Realität in der wir leben wollen.
Unsere Visionen sollen größer sein als wir, damit wir über uns hinaus, und in die Visionen hineinwachsen können. Auf menschliche Visionen, Hoffnungen, Träume, von denen sich 2009 viele erfüllen mögen, wünscht witscore.







