Dez
30

Das bevorstehende Jahr 2009 verheißt eine spannende Zeit. Einerseits steht es als Astronomiejahr 2009 im Zeichen der Sterne. Längst nicht allen ist das Verwandtschaftsverhältnis bewusst, das uns mit den Sternen da draußen verbindet. Die Elemente aus denen wir bestehen, wurden durch Kernfusion in Sonnen gebildet.

Charles Darwins Geburtstag jährt sich am 12. Februar zum 200. Mal. Seine Theorie wird mit neuen Aspekten neu beleuchtet, neu verstanden, und unser Selbstverständnis als Menschen erweitern. Evolution ist ein hoch komplexer, fein vernetzter, aufeinander abgestimmter, vielschichtiger Vorgang, der sich in unserer Gedankenwelt fortsetzt. Die ihr zu Grunde liegenden Mechanismen machten wir nutzbar, lange bevor wir sie konkret benennen konnten.

In der Mathematik bilden (Zahlen)Werte die Basis der Informationsverarbeitung, und in der Informatik ebenso, sei sie nun konventionell oder intelligent. Da es sich bei unserem um ein Kognitionsmodell handelt, vermute ich die Basis der Informationsverarbeitung am Menschen ebenfalls auf dieser grundlegenden Ebene. Sie hat den Vorteil in ihrer Verarbeitung sehr schnell zu sein, da sie Mustererkennung und -vervollständigung nutzt und in Form eines komplexen Mischeindrucks (Gefühl) biochemisch abbildet. Bis zu dem Punkt entrinnen wir bei der Ergebnisfindung dem Effekt massiver Verlangsamung durch Progression. Ich vergleiche Intuition daher gerne mit Wasser, das unmittelbar in der Lage ist, die Form des Gefäßes anzunehmen, in das man es gießt. Die Zahl seiner Berührungspunkte mit der Umgebung ist kaum zu beziffern.

Vergleichbar verhält es sich mit dem intuitiven Eindruck, bei dem der Erfahrungshintergrund unseres ganzen bisherigen Lebens beteiligt ist. Derart viele Daten führen bei der im Gegensatz dazu linearen Verarbeitung zu einer Verlangsamung der Ergebnisfindung, wenn das System zum Beispiel jeden Aspekt mit jedem vergleichen muss, um sich ein Urteil zu bilden. Da hilft nur eines – wenn nicht das gesamte Bild erfasst werden kann, muss der Verstand das eben Pixel für Pixel tun. Irgendwann, vielleicht erst nach Generationen, ergibt sich aus vielen Einzelteilen ein stimmiges Gesamtbild, auch wenn wir uns womöglich damit abfinden müssen, dass da immer Unschärfen bleiben werden. Nun haben wir unser Wissen jedoch auf viele Gehirne verteilt, und der interdisziplinäre Austausch gestaltet sich nicht so einfach, doch immerhin wurde seine Bedeutung bereits erkannt, und er findet statt.

Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Verstandes ist im Gegensatz zu jener der Intuition von der Progression betroffen, was unter anderem dazu führte, dass Lehrpläne gestaucht werden, und wir von zunehmend komplizierteren und zum Teil sich widersprechenden Regelwerken umgeben sind, die unser Verhalten unter Kontrolle halten sollen, was durch gezielte Kanalisierung um die Regeln herum jedoch zum Kontrollverlust zu führen droht. Eine Wiederherstellung der Bezüge zu den grundlegenden Werten könnte dem entgegen wirken. Fundamental wäre nach meiner Definition eine Denkebene unterhalb des Verbalisierbaren, die sich direkt auf Werte bezieht und diese – auch losgelöst von mit ihnen verknüpfter Symbolik – versteht und aktiv anwendet, gewissermaßen prinzipienorientiert funktioniert, um die nach wie vor sehr schnelle Mustererkennung zu re-integrieren und ihre eklatanten Vorteile zu nutzen. Das wiederum hätte massiven Einfluss auf die Lernfähigkeit, fast schon egal, um welchen Themenbereich es sich handelt.

Die Anpassung des Menschen ist jedoch keine Frage ermittelter Fakten, sondern der Berührtheit. Denn was immer wir denken und tun ist daraufhin orientiert, das individuelle Wohlbefinden zu steigern. An der Botenstoffformel führt kein Weg vorbei, da sie die Überlebensformel ist, seit es Gehirne gibt. Dass wir danach streben was wir wollen (Gewichtung > auch die Entscheidung gegen das eigene Interesse zu handeln, z.B. zugunsten der Gruppe, entsteht so), können wir also nicht beeinflussen, sehr wohl aber Anzahl und Art der Parameter (Aspekte, zu denen wir eine Beziehung herstellen, um sie werten zu können) die wir in unsere Wunschvorstellungen hineinpacken. Die können sich nur an der Landkarte orientieren, die sich das Gehirn im Laufe seines Lebens von der Umgebung und dem Wesen selbst (Selbstverständnis/[Selbst]bewusstsein), gebildet hat. Je höher der Anspruch an uns selbst dabei ist (bis hin zur Erfüllung aller Bedeutungskriterien > fließende Entwicklung, wie sie heute durch das hierarchische Denken und Verhalten blockiert wird, und begünstigt wurde ihre Entstehung durch die Haltung, dass jeder nur auf sich schaut), umso gewaltiger wird das Feuerwerk in unserem Gehirn, wenn die Rechnung dann aufgeht.

Man könnte also sagen, sozial orientierte und umweltbewusste Menschen sind die wahren Egoisten. Sie werten mehr von dem, was für ihr Überleben wichtig ist. Die vielen Berührungspunkte zur Umgebung haben noch einen weiteren Vorteil: das Belohnungspotential ist höher. Sie müssen nicht ständig Reizschwellen hochschrauben, um an immer wieder derselben Sache einen Kick, eine Ausschüttung, zu erzeugen. Die einseitige Fokussierung des einwertigen Verhaltens erzeugt Stress, wohingegen vielwertige Menschen ein flexibleres und ausgewogeneres Leben führen können. Da sie sich allerdings der globalen Zusammenhänge stärker bewusst sind, ist es furchtbar für sie, mit Ignoranz und deren Folgen konfrontiert zu sein. Entziehen kann sich dem ja keiner, und niemand weiß (spürt) das besser als sie.

Wir sind einzigartige Lebewesen, die einen aktiven Einfluss auf die Beschaffenheit ihrer Gehirnstruktur ausüben können. Jedoch immer dann, wenn wir uns feste Urteile bilden, gehen Schnittstellen verloren an denen wir andernfalls noch lernen könnten (bzw. feiner auflösen, besser differenzieren). Da sind wir dann nicht mehr wie Kinder, nämlich so offenherzig. Unabhängig von ihrer Herkunft oder Rasse begegnen sie sich freundlich, im Vertrauen darauf, voreinander nichts zu befürchten zu haben. Erwachsen werden geht also in gewisser Weise mit Verlusten einher, von Vertrauen, Offenheit, Träumen, Visionen, Vorstellungsvermögen. Ein Mensch, der potentiell alles werden könnte, wird auf das zurechtgestutzt, was in seinem späteren Leben relevant für seine Existenzsicherung sein wird, die Geldbeschaffung. Und plötzlich ist alles Denken nur noch auf einen Wert reduziert. Die Verstandesebene ist dabei dominant, schließlich muss man mit Geld ja nur rechnen.

Menschen lernten, ihre Vorurteile mehr zu lieben als die Wahrheit, zumal sie vom Gehirn bereits belohnt wurden, und ihre Bestätigung erneut eine Belohnung zur Folge hat, was sie noch tiefer prägt. Konnten wir bei der mündlichen Überlieferung diese fließend entwickeln und an neue Gegebenheiten anpassen, war die Weiterentwicklung der Inhalte durch fortlaufende Erweiterung des Wortschatzes mit der schriftlichen Überlieferung abgeschlossen. Entwickeln konnte sich nur noch die Interpretation. Bereits die Anwendung von Schriftzeichen hatte Kritiker. Die befürchteten, die Menschen würden dann weniger auf ihre eigenen Erkenntnisse bauen, sondern sich stattdessen zu sehr auf Geschriebenes verlassen. Lesen und verstehen sind jedoch völlig unterschiedliche Vorgänge. Wir werden die Dinge niemals so verstehen wie sie sind, sondern wie es unserem Auffassungsvermögen entspricht. Die geeignete Haltung, seiner eigenen Fehlbarkeit zu entsprechen wäre – Demut, ihre Missverständnisse fortlaufend zu korrigieren hingegen Wahrhaftigkeit.

Sprache konnte immer nur das festhalten, was der Mensch in der jeweiligen Epoche in Worte fassen, in Worten erfassen kann. Schon daher habe ich die Frage ob etwas wahr ist durch die Frage ersetzt, wie etwas wahr ist. Denn Fakten können niemals gegeneinander stehen. Sie existieren nebeneinander. Was unser Gehirn daraus macht, ist nur unsere Realität. Die Wirklichkeit, Summe all dessen, was in und um uns wirkt, kann hingegen ganz anders sein als wir sie – ohnedies nur bruchstückhaft, da nach biologischen Bedeutungskriterien gefiltert – erfassen.

Eine Kernbotschaft in allen Weltreligionen die ich verstanden zu haben glaube ist jene, dass solche Behauptungskämpfe für ein Wesen unseres – stets steigenden – Aktionspotentials nur in den Untergang führen können. Das ultimative Mittel gegen Gewalt ist – unschwer zu erraten – Liebe. Wir kennen ja mittlerweile, was biochemisch in uns abgeht, wenn wir lieben. Der biochemische Aspekt ist nur das physische Abbild einer anderen gegenüber offeneren Haltung von Gewogenheit, Vertrauen, Schnittstellen nach außen anbietend, Austausch, Informationsfluss, Synergien, Überleben durch die Sorge umeinander. Den, der dieselben Ansichten mit uns teilt zu akzeptieren, das ist leicht. Erst bei Andersdenkenden wird das Üben von Akzeptanz zu einer mentalen Herausforderung. Doch je größer die Differenz der Anschauungen, umso mehr könnten wir voneinander lernen. Die Gegenposition hingegen lehrt uns – nichts.

Wenn jeder gibt, haben alle genug. Wenn jeder nur immer mehr für sich nehmen will, wird es nie für alle reichen. Seit Jahren bin ich hin- und hergerissen zwischen Argumenten die dafür sprechen, dass wir ein Miteinander hinbekommen können und solchen, die dagegen sprechen. Je nachdem, was gerade präsenter ist, bin ich dann am Boden zerstört oder voller Zuversicht und Tatkraft. Die Wahrheit ist: ich weiß es nicht und habe mich damit abgefunden, dass ich darüber keine Gewissheit erlangen werde. Aber die Hoffnung darauf dass vor uns eine großartige Zukunft liegen könnte, lasse ich mir nicht nehmen. Wo Entwicklung stattfindet, sind Veränderungen unvermeidlich. Worauf wir dann am meisten Wert legen, bestimmt die Richtung unserer weiteren Entwicklungen. Nur Werte, die wir in der Verarbeitung berücksichtigen, gelangen in das, was wir manifestieren. So subjektiv Gefühle auch sein mögen, so ist es die Realität, die sie um uns schaffen, schon nicht mehr. Unsere Kinder und wir müssen mit all dem leben, worin wir keine Liebe investieren, und was sie demzufolge auch nicht widerspiegeln, nicht vermitteln kann. Selbst an das Gefühl, kein Gefühl zu haben, gewöhnt man sich dann als Mensch. Die verbleibenden undifferenzierten Insuffizienzeindrücke werden auf eine Art und Weise kompensiert, die uns alle teuer zu stehen kommt.

Wir sind nicht mehr wie andere Lebewesen. Niedrige Beweggründe mögen wir in unserem Handeln auf Grund der fortgeschrittenen Abstraktion daher nicht mehr vermuten. Dass ein Planet von einer Spezies derart malträtiert wird wie die Erde durch uns, ist jedoch schwerlich mit Vernunft zu begründen. Wir geben uns mit Prognosen über Vernichtungsgrade zufrieden als könnten wir nichts dagegen tun. Das fand ich als Kind schon befremdlich. Heute nur noch mehr. Jeder kann. Und es kommt viel mehr dabei heraus, als es nur von anderen zu fordern.

Der als Motivator eher bedeutungslose Verstand ist dabei für die scharfe Detailsicht zuständig und unterstützt uns dabei, die emotionale Differenzierung zu vervollkommnen, und einen Menschen so zur Vernunft zu bringen. Je höher der Anspruch an uns selbst ist, umso gewaltiger wird das Feuerwerk in unserem Gehirn, wenn die Rechnung dann aufgeht.

Nächstenliebe (Akzeptanz) ist meines Erachtens die vernünftigste Konsolidierung, die den Menschen jemals nahe gebracht worden war. Kein Unwohlbefinden würde in einer umsorgenden Umgebung lange vorhalten. Die nächste “Aufklärung”, die aus weiträumigen interdisziplinärem Denken hervorgeht (Kreise schließen sich), wird uns an große, mit unserem Verstand einhergegangene Missverständnisse führen, was aber ein riesen Entwicklungsschritt, eine riesige Chance für uns sein kann. Wir sind einfach besser, wenn wir mit einem Werkzeug umgehen, das wir verstehen. Das mächtigste Werkzeug das wir haben, ist unser Gehirn, als kreatives Gestaltungsmittel und intelligent bewertender Indikator für die Realität in der wir leben wollen.

Unsere Visionen sollen größer sein als wir, damit wir über uns hinaus, und in die Visionen hineinwachsen können. Auf menschliche Visionen, Hoffnungen, Träume, von denen sich 2009 viele erfüllen mögen, wünscht witscore.

Sep
02

Die Neurobiologie stellt uns eine weitere Ernüchterung über die Beschaffenheit des Menschen in Aussicht, und eine zunehmend stärkere Positionierung des Fundamentalismus – als Gegengewicht zu den einseitig-evolutionären Entwicklungen des so genannten freien Marktes. Die Ernüchterung hatte ich anfangs auch. Dann aber begann ich über die Chancen nachzudenken, die in unserer Funktionalität stecken.

Andere haben es längst begriffen und weitergegeben, zum Beispiel Einstein der das Vorstellbare für machbar hielt. Ja. Wir fliegen! Wir waren auf dem Mond! Wir unterhalten uns über Tausende von Kilometern! Wir kommunizieren und bilden uns übers Internet! Alles was der Mensch bis heute geschaffen hat, war mal nicht mehr als eine Idee in jemandes Vorstellung. Nicht selten übertraf das spätere Ergebnis diese auch noch – leider nicht nur in eine positive Richtung, und das Maß an Destruktivität steigt nach wie vor ständig.

Die meisten großen Wissenschaftler der Geschichte wünschten sich eine friedliche Anwendung ihrer Erkenntnisse, zum Wohle der Menschheit. Das lief dann aber nicht immer so gut. Wirtschaftliche Verwertbarkeit ist zum pre-selektiven Kriterium geworden. Nicht der Nutzen zählt, sondern das Verkaufsargument. Das aber dient zunehmend dazu zu verschleiern, worum es tatsächlich geht – den Angesprochenen dazu zu bringen, zu kaufen und nicht, ihm dienlich zu sein. Das kann man ihm ja schließlich genau so gut vormachen. Handlungen auf Un- oder Teilwahrheiten folgen zu lassen produziert aber Irrtümer.

Es hat unsere Sicht auf die Welt, uns selbst und damit auch unser Verhalten und unsere Realität verändert, als sich herausstellte, dass wir nicht Gottes Werk, sondern das Produkt einer biologischen Evolution sein sollen. Das mag für manche ein Grund gewesen sein, sich Affen als Verhaltensvorbilder zu wählen, für andere wiederum, ihre biologische Verwandtschaft mit behaarten Zwei- und Mehrbeinern vehement zu bestreiten (bleiben jedoch immer noch die genetischen Übereinstimmungen und Verhaltensmuster, die sich nicht leugnen lassen).

Evolution und Zufall passen nicht zusammen. Erstaunlich, wie hartnäckig sich diese Einschätzung dennoch hält (wie hätten wir dann in der Lage sein sollen, Gesetzmäßigkeiten abzuleiten?). Nur bestandstaugliche (an der Umgebung orientierte) Strukturen konnten sich erhalten, und da reiht sich bereits auf atomarer Ebene (Wertigkeiten) nicht wahllos aneinander, was nicht zueinander passt. Darwin hat auch nicht proklamiert, dass der Stärkste überlebt. *The fittest* ist der, der am Besten (auf seine Umgebung) passt – der am besten Angepasste. Wäre Stärke das einzige Kriterium, hätten sich die kleinen Säugetiere wohl kaum gegen die mächtigen Reptilien durchgesetzt. Denen wurde ihre Größe und Körperkraft sogar zum Verhängnis.

Dann kam die Sache mit dem Unterbewusstsein. Daraus schlossen wir, dass wir ohnedies kaum Herr über unsere Triebe, Emotionen und damit Gedanken und Taten sind. Einmal mehr war der Mensch gekränkt. Desillusioniert und nüchtern betrachtet er heute die Welt und kompensiert seine emotionalen und sozialen Verluste mit wachsender Verschwendung von Rohstoffen. Füllen erfüllt eben nur wirtschaftliche Ziele (linear), nicht aber den Menschen – der ist längst nicht so glücklich wie er sein könnte, und es würde mich nicht wundern – falls das je messbar sein sollte – wenn die Zerstörungen an dieser Welt dem Maß unseres Unglücklichseins entsprechen würden – und sich beide Faktoren gegenseitig beeinflussen, denn wir haben gelernt, Defiziten mit Konsum zu begegnen (Symptome bekämpfen statt Ursachen zu ermitteln und zu beheben).

Naturvölker verschwenden nichts. Leiden sie nicht gerade Hunger, haben sie viel mehr Spaß an dem was sie tun wie wir – weil sie es in der Art und Weise machen, für die sie und wir physisch optimiert sind, im Einklang mit ihrer Umgebung und miteinander. Selbst wenn es uns nicht bewusst ist, unser Gehirn weiß es immer. Würde es uns für *Fehlverhalten* gegen die Umgebung mit höchster erlangbarer Güte belohnen, wäre es eine Fehlkonstruktion, und dann stellt sich doch die Frage – wenn es das wäre, wie hätte es uns dann bis in die heutige Zeit tragen können?

Wir wissen einiges – aber längst nicht alles – darüber, was war. Über die Zukunft können wir nur spekulieren. Alleine dass wir um sie wissen, verändert die Zukunft. Gewissheit über etwas haben wir erst, wenn es sich manifestiert hat. Wir kennen nicht alle Einflussfaktoren die uns bevorstehen, nicht einmal jene, die wir selbst verursachen. Da wir unsere Mitte verloren (unsere Perspektive auf die Welt ist einseitig), können uns unsere Instinkte nicht mehr sicher leiten. Es genügt nicht, dass jeder auf sich selbst schaut, um unsere Spezies zukunftsfähig zu machen. Unsere Empfindungsfähigkeit (Emotion = Information) ist außerdem für wesentlich mehr ausgelegt, denn ihre intelligente Differenzierungsfähigkeit ist eng mit unserer Soziologie verknüpft (nachweislich wird Geben vom Gehirn großzügig belohnt, es sichert uns Wohlwollen).

Interpretationsspielraum sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Machtverschiebungen. Dass der Mensch nach unwiderlegbarer Klarheit strebte war daher folgerichtig. Dass ihm dabei immer wieder Irrtümer passierten, allerdings auch. Die Fokussierung auf Ausschüttung (Belohnung als Selbstzweck statt Indikator) förderte das lineare Denken, emotionale Bedürfnisse und soziales Gewissen wurden abgelöst. Doch nach wie vor ist Erfolg eine Frage von Akzeptanz. Gehirne lernen auf allen Ebenen und gewöhnen sich immer schneller an Werbebotschaften, die nicht mehr ziehen, weil sich nicht erfüllt, was da suggeriert wird. Aus demselben Grund mixen Kosmetikhersteller ihre Mittelchen immer wieder neu. Hielten die bereits was sie versprechen, wäre das unnötig.

Werte, wie in den aktuellen politischen Diskussionen richtig erkannt, sind essentiell, da sie die Berechnungsgrundlage für unser Denken und Handeln, und die darauf basierenden Vorstellungen und Wünsche im Weiteren die Vorlage für die Realität von morgen sind. Gehirntechnisch betrachtet ist lineares Denken als Ergänzung sinnvoll (scharfe Detailsicht), aber kein Ersatz. Das Management, das unser Gehirn eigentlich braucht, ist Herz, weil nur was uns (emotional) berührt, auch unser Denken bewegt. Das bedeutet eigentlich, die Justierung unseres Willens findet zwar mit Hilfe des Verstandes (Rückkoppelung), jedoch nicht auf Verstandesebene selbst statt, sondern tiefer – da, wo wir fühlen. Diese Entdeckung ist weit älter als wir glauben – und wurde bereits in der Empfehlung zum Ausdruck gebracht, nicht träge zu sein im Herzen UND im Geiste. Letzteres folgt aus ersterem.

Ein Gehirn orientiert sich nicht an Fakten, sondern (nach wie vor) an Befindlichkeiten und was diesen zu- oder abträglich ist. Der Radius dieser Ebene kennt – im Gegensatz zum linear erlangbaren Wissen – keine baulichen Einschränkungen, da er auf Mustererkennung und -vervollständigung basiert. Hierbei fließen all unsere Erfahrungswerte mit ein und bilden das Fundament unserer Intuition. Wie weit wir das *Unbewusste* zu deuten verstehen ist eine Frage der Tiefe unseres Interpretationsvermögens (Denkens). Versuch mal, Dir vorzustellen, wie viel *Entwicklungsinformationen* wir über die Zeit getragen haben, welche Vielschichtigkeit da in jedem einzelnen von uns steckt. Keine Vision, die wir je hatten oder noch haben werden, kann da zu groß (gewesen) sein.

Wir haben eine Menge auf diesem Planeten bewegt und bezeichnen unser eigenes System als komplex, was wohl so viel heißen soll, das durchblicken wir jetzt nicht mehr. Doch die Regeln nach denen die Welt funktioniert, sind immer dieselben, und wir haben sie im Kopf. Sonst hätten wir dieses System wohl kaum dahin gestellt. Doch auch unser so genanntes *Unterbewusstsein* ist darin verbaut (nur ein geringer Bruchteil unseres *Denkens* ist artikulierbar), demzufolge auch unsere Triebmuster. Ein Entwicklungsmuster der Vernunft wäre bereits nachhaltiger orientiert und auf gedeihliche Entwicklung ausgerichtet. Ein solcher Schritt steht uns noch bevor.

Unsere Wertezuordnungen (Symbolik) stellen die Rahmenbedingungen für das, was wir wollen, weil wir aus ihnen ablesen, was wir als *zuträglich* oder *abträglich* empfinden. Die Herausforderung ist zu entschlüssel, worum es dabei wirklich geht. Die Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten um sich eine neue Perspektive auf die Welt zu verschaffen und so den kognitiven Rahmen auszudehnen ist emotional (BeWERTungsschema) motivert und bewirkt eine Erhöhung der Bandbreite berücksichtigter (Über)Lebensapsekte. Das ist im Grunde nichts weiter als Mathematik auf niedrigster Verarbeitungsebene. Technisch gesehen spricht nichts dagegen, dass wir das können, und es ist ein Entwicklungsschritt, den man von einem Wesen, das von sich selbst annimmt, intelligent (im Vergleich zu wem oder was eigentlich? – das obere Ende der Skala kennen wir nicht) zu sein, erwarten könnte.

Die Welt und wir sind nicht so eindimensional, wie das Geldsystem es abbildet. Daher kann die Orientierung an Geld niemals das Fundament einer nachhaltigen Entwicklung sein (umgekehrt wird ein Schuh draus). Es macht unser Gehirn innerhalb weniger Generationen betriebsblind. Wir sind mit den physischen Fähigkeiten ausgestattet die es für eine gedeihliche Entwicklung braucht, aber zu einseitig konditioniert für eine umfassende Perspektive, vor deren Hintergrund sich unser Fühlen und Denken abspielt.

Wir werden dem, wonach wir streben, immer ähnlicher, weil es sich zunehmend relevanter in unserem Gehirn abbildet. Der Fehler liegt schon darin, es als *normal* hinzunehmen, dass Geld zwar reich, aber nicht glücklich macht, denn damit handeln wir wider das optimale Funktionieren unseres Gehirns, zumal wir dadurch nicht selten zu Handlungen (Sachzwängen) veranlasst werden, die oder deren Folgen wir gar nicht wollen. Wen es im Detail betrifft, ist irrelevant, so oder so kann das Maß an gesteigertem Wohlbefinden der *Gewinner* die Verluste die sie generieren niemals aufwiegen. Im Gegenteil, brauchen sie doch für denselben kurz andauernden Lustgewinn immer mehr von dem, was anderen dann fehlt, um noch ihren *Kick* zu bekommen. Wie frei kann ein Wille sein, der nichts anderes mehr vermag? – Und wie frei können jene sich noch entfalten, die als Einbüßende steigendem Stress ausgesetzt sind um ihren Lebensstandard zumindest noch zu halten?

Apr
22

Indem der menschliche Organismus als technisches System betrachtet werden kann, trifft dies auch für seine Datenverarbeitungsmechanismen zu. Von frühester Entwicklungsstufe an, sind diese als Reiz-/Reaktionssystem ausgelegt, eine Funktionsweise, die wir mit Computern heutiger Technologie abbilden können.

Der Versuch die aus der Neuronenforschung gewonnenen Erkenntnisse in eine neu geartete Arbeitsweise zu überführen und diese in einer Rechnerumgebung nachzustellen, hat seine Zie­le bis heute nur zum Teil erfüllt. Die der Technologie neuronaler Netze zu Grunde liegenden Mechanismen sind zum einen noch nicht vollständig erforscht und zum anderen basiert diese Forschung auf dem Verständnis vom Stromfluss in den Verdrahtungen der Neuronen, statt auf dem der Datenhaltung und ihrer Anwendung. Es ist überaus ineffizient, Stromfluss zu simulieren, wenn es eigentlich um Daten geht.

Es liegt auf der Hand, dass die komplexe Funktionalität menschlichen Denkens auf der Anwendung eines Prinzips beruht, das von Reiz-/Reaktionssystemen in die Entwicklung eingebracht wurde. Die Summe der sensorischen Reize legt das Gehirn der höher entwickelten Säugetiere als Reizmuster ab, das von ihnen im Weiteren zur Veranschlagung der Reaktion auf eine Umgebungssituation herangezogen wurde. Die Evolution konnte nur auf diese zusammengesetzte Praktik zurückgreifen, um den lernfähigen, kreativen und vor allem in nahezu jeder Umgebung funktionsfähigen Denkapperat hervorzubringen.

Da das menschliche Denken auf Mustererkennung beruht, ist die Methodik, mit der die Datenmuster gespeichert werden für alle Ebenen des Denkprozesses essenziell. Weil der verfügbare Speicherplatz gemessen an heutigem Datenaufkommen denkbar klein ist, muss die Struktur so ausgelegt sein, dass kein Aspekt im System mehrfach auftritt. Neue Informationen finden ohne langwierige Einzelabwägungen Eintritt in den Datenbestand. Schließlich können wir am eigenen Denken beobachten, dass alle Aspekte miteinander in Zusammenhang stehen. Die technische Basis, das neuronale Netz, bestätigt die Theorie dieser Architektur.

Mit der IDRS-Technologie wurde ein Datenschema entwickelt, das allen diesen Kriterien entspricht. Während zwar nicht nachweisbar ist, dass es sich im Ergebnis um das Datenmodell des menschlichen Gehirns handelt, ist es zur Abbildung beliebiger Sachstände fähig und enthält jede Logik darüber, in welchem Zusammenhang ein Aspekt zu jedem anderen steht.

Auf niedriger Ebene der biologischen Musterverarbeitung nämlich unmittelbar hinter der Sensorik werden die empfangenen Reizmuster in den Datenbestand des aktuellen Wahrnehmungseindrucks überführt. Da nur ein Teil der Daten zeitnah aufgenommen werden kann, wird das erhaltene Muster auf Basis der bereits vorliegenden Muster vorangegangener Beobachtungen vervollständigt. Diese Funktionalität wurde bereits erfolgreich auf die IDRS-Umgebung angewendet. Sie ist damit grundsätzlich in der Lage, beliebige Eingangsdaten zu den Tatsachen im Datenbestand zu vervollständigen, die auf der Hand liegen. Dieses von uns als „Intelligenzstufe 1“ bezeichnete Leistungsmerkmal erfüllen bereits die höher entwickelten Säugetiere.

Es war zeitlich und evolutionsbiologisch gesehen für das menschliche Gehirn ein vergleichsweise kleiner Schritt, aus der Mustererkennung und –vervollständigung das logische Denken zu entwickeln. Das legt nah, dass es sich hierzu eines Mechanismus’ bediente, der bereits in Anwendung war: die Mustererkennung selbst. Mit der Entwicklung der Sprache war der Mensch nicht nur in der Lage, jeden Aspekt zu benennen, er subsumierte die spezifischen Einzelaspekte außerdem in früher erlernten Gattungsbegriffen, wodurch er es erreichte, den so virtualisierten Daten neue Muster zu entlesen, die Daten zu abstrahieren.

Das Darstellungssystem der IDRS-Struktur erforderte natürlich von Anfang an die Benennung der Aspekte, um sie studieren zu können. Im Gegensatz hierzu wird die Datenstruktur eines neuronalen Netzes in der Lernphase durch Verstärkung der an der Lösung beteiligten Aspekte gebildet. Die Bedeutung dieser Aspekte kann dem System nicht entlesen werden, sie bleiben unbenannt. Darum führt die von einem neuronalen Netz entwickelte Lösungssystematik zwar zu gewünschten Ergebnissen aber nicht zu von Menschen verwertbaren Erkenntnissen.

Erkenntnisse werden im IDRS-System aus dem Vergleich der Tatsachenmuster gewonnen, die für jeden Aspekt gelten und der ihn mit allen anderen in jeden Sachzusammenhang stellt. Als Ergebnis entsteht ein in Form von Mustern abgelegter Regelkomplex, an dem vorliegende Eingangsdaten vervollständigt werden können. Diese Regeln sind Schlussfolgerungen, die jede Logik wiedergeben, die in den Daten enthalten ist.

Die Welt des sich entwickelnden und auch des heutigen Menschen ist im Großen und Ganzen ein in sich schlüssiges System, dessen Prinzip von Ursache und Wirkung sich für eine solche Datenverarbeitung deshalb empfiehlt, weil die logische Bedeutung jedes Aspekts mit der aller korrespondierenden Aspekte festgestellt ist. Die physikalischen Realitäten der Lebensumgebung und vor allem die sozialen bauen aufeinander auf.

Für die heute vorzufindende Datenlandschaft trifft dies nicht zu. Zum einen enthalten Datenbanken immer nur einen Ausschnitt an Informationen und zum anderen sind die Daten darin nur so aussagekräftig und einander nur in soweit zugeordnet, wie es die Programmierung der zu erfüllenden Aufgabe verlangte. Diese Strukturen bleiben im Allgemeinen starr und werden nur von außen gezielt modifiziert und ergänzt. Der Mensch ist im Gegensatz dazu fähig, erkannte Logik in sein Datensystem einzubringen, so dass sie bereits im Rahmen der Mustererkennung- und Vervollständigung zum Einsatz kommt. Das Gehirn hat auch nur diese eine Methode, um Informationen zu speichern.

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