Jan
19

“Ich war mal Idealist, heute bin ich Realist”, so oder ähnlich habe ich oft gelesen, daher oute ich mich heute als Idealist, der es sein ganzes denkendes Leben sein wollte, und immer noch danach strebt, sich zu einem weiseren Zeitgenossen zu entwickeln, der fähig ist, andere zu inspirieren. Dem absoluten Ideal, der perfekten Harmonie wäre nichts mehr hinzuzufügen, das würde Stillstand bedeuten, also kann das unser gesuchtes Optimum gar nicht sein – allerdings glaube ich nicht, dass das wirklich mit Harmonie gemeint ist.

Da sich die Zustände über die Ausdehnung in die vierte(+ weitere) Dimension(en) permanent verändern, tun sich immer wieder Lücken und Defizite auf, die zu füllen neue Bewegung(smuster) verursacht. Sie sind der Motor der Entwicklung. Ein Beschreibungsversuch: So kann man sich beispielsweise die Welt als fluktuierendes Reizschwellenkonstrukt vorstellen, in dem neue Zustände individuell an der Situation so in den vorgefundenen Freiraum hinein entstehen, wie sie sich auf Grund ihrer Beschaffenheit und der ihrer Umgebung in dem Moment ins Gefüge einpassen können, ihm entsprechen. Je besser an der Umgebung orientiert das gelingt, umso widerstandsfähiger sind die neu entstandenen Strukturen, und ihr Einfluss (Relevanz) auf die Entstehung nachfolgender. Was heute diese Form annimmt, würde morgen anders aussehen, weil das Gefüge, der Freiraum sich dann schon wieder verändert haben wird. Wir selbst spiegeln in unserer Beschaffenheit die universellen Gesetzmäßigkeiten wider, aus denen wir entstanden, und ich vermute, dass wir diese früher – auf intuitiver Ebene – besser verstehen konnten als heute, in Form eines Gespürs, das noch näher an den Grundwerten angesiedelt war, ursprünglicher, umfassender.

Im Streben, zu einer möglichst bestandhaften Daseinsform (nachhaltig gedeihliche Entwicklung) zu finden und da zu bleiben, muss es einen intelligenten Weg geben herauszufinden, wie man das macht, ohne sich immer wieder in Seitengassen zu verirren, in denen Neben -zu Hauptaspekten gemacht werden, was die Wertigkeiten unserer Realität von der Wahrnehmung ihrer tatsächlichen Relevanz entfernt. Es gibt Lebewesen, die schafften es über Hunderte Jahrmillionen, selbst wir hatten eine weit längere biologische Entwicklungsgeschichte denn ein Leben mit Kultur. Was hält uns davon ab, weiterhin langfristig zu agieren? – Intelligenz kann es ja wohl nicht sein. Nein, es sind unsere Wertigkeiten, und die sind offenbar nicht mehr ganz stimmig, sonst würden daraus keine Probleme hervorgehen wie jene, vor denen wir gerade stehen. Bahnbrechende Entdeckungen die kluge Menschen zum Wohle der Menschheit machen, werden von anderen Menschen sogar gegen andere angewendet. Wenn ich meinem Nachbarn mit dem Hammer auf den Kopf schlage, schrumpft er vielleicht um zwei Zentimeter, aber es macht mich nicht größer, nur ihn kleiner. Macht das jeder mit jedem, schrumpfen wir alle.

Wie klein wollen wir also noch werden, indem wir uns permanent herunterdeckeln (lassen)? Abhängigkeiten, Vorschriften, Gesetze, Pflichten, Zwänge, Einschränkungen ziehen uns den Zahn der freien, individuellen Entfaltung, weil wir für jede emotional-soziale Verknüpfung, die unseren Gehirnen verloren geht, eine äußere Entsprechung brauchen – den Zwang, der die einst komplexe Beziehung zu anderen Menschen und überlebensrelevanten Umweltfaktoren durch eine lineare Kennzahlenschnittstelle ersetzt, auf die sich die Wertung dann konzentriert – fälschlicherweise. Hoch abstrakt, ganz weit weg von den Ursprungswerten, daher kaum noch von nennenswerter emotionaler Qualität, denn Verknüpfungen die das gestatten, *zählen* in unserem Lebensmodell nicht mehr. Dass wir hierbei ein hoch differenzierungsfähiges Informationssystem ausschalten, ist uns gar nicht bewusst. Emotionen werden erst dann irrational, wenn wir gegen ihre Logik handeln, weil sie dann dazu neigen, sich ersatzweise auch mit weniger nachhaltigen Symbolen zu verknüpfen, zum Preis einer geringeren Intensität der Ausschüttung, was einen leicht in unersättliche Gier treiben kann, über den Freiraum herzufallen, der einem dann nur noch bleibt. Hierin liegt die eigentliche Irrationalität, und nicht in den Emotionen und Gefühlen an sich. Diese Lanze hat die Gehirnforschung eigentlich längst gebrochen, aber auch ihre Bedeutung erkannt?

Den Menschen aus der Sicht von Verhaltensforschung, Entwicklungsbiologie und -Psychologie zu betrachten ist schon sehr reizvoll. Die Sicht des Glaubens erhellend, jedoch die Sicht aus seiner Gehirn- und Körperfunktionalität heraus lässt alles noch mal in einem neuen Licht erscheinen. Es gibt dann nämlich keinen Unsinn mehr. Andererseits wurde es nach und nach erschreckend dabei feststellen zu müssen, wie weit ich nunmehr in vielem von dem abwich, was andere von sich gaben, und das betraf immer mehr Aspekte. Ich begann mich mehr und mehr zurückzuziehen, war verunsichert, prüfte, las, was es an neuen Erkenntnissen gab, stimmte ab, überdachte neu, fasste zusammen, prüfte erneut. Am 17. Oktober 2007 entstand eine Formel, die sich auf alles anwenden lässt was von Menschen erfassbar ist. Irgendwie dachte ich, damit wäre der Damm gebrochen.

Vordenken ist sich unter permanentem Selbstzweifel, Skepsis von allen Seiten und ständig hinterfragend mit dem Buschmesser durch einen dichten Dschungel zu bewegen, und unter großer Kraftanstrengung Schneisen zu neuen Antworten und neuen Fragen zu schlagen, denen andere dann folgen können. Früher oder später…

Vielleicht ist jede erstmalig getroffene Vorstellung eine Wahnvorstellung. Keinesfalls geht sie spurlos an einem vorbei. Sie verändert einen Menschen. Alleine unsere Vorstellungskraft kann uns zu *besseren* oder *schlechteren* Menschen machen. Effekte, selbst wenn sie aus etwas hervorgehen, das faktisch nicht korrekt ist, schaffen Fakten. Vielleicht müssen wir manche Wahrheiten, die wir mangels Beweisbarkeit von uns weisen, einfach mal über ihre Wirkungen verstehen, Unschärfen in Kauf nehmen. Sie sind das Gestaltungselement, aus dem Abweichungen hervorgehen, Variationen, Vielfalt, die Kreativität, das schöpferische Moment.

Wir sind (vermutlich) die einzigen Menschen die es im Universum gibt, und auf das angewiesen, was wir (an)erkennen können, auf der einzigen Erde die es gibt. Sollten wir da nicht viel besser aufeinander achtgeben statt Potentiale gegeneinander zu verpuffen? Wovon haben alle mehr? Das herauszufinden ist sicher eine knifflige Aufgabe – für ein intelligentes System, denn die Anzahl der zu berücksichtigenden Parameter ist unvorstellbar hoch – für einen einzelnen Menschen. Wie aber sieht es mit allen Menschen aus…? – Sollte da nicht sowas wie eine intelligente Organisationsstruktur hervorgehen können, ja müssen, wenn wir es tatsächlich sind – intelligent – da wir ja abbilden, was wir sind.

Die Welt in der es für alle etwas zu gewinnen gibt, rückt umso näher, je besser wir uns verstehen. Gegenseitig geht daraus hervor, da je besser wir uns selbst kennen, in umso mehr anderen erkennen wir etwas von uns wieder. Das erhöht das Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft, und vor allen Dingen Inspiration und Kreativität. Intuition und Verstand arbeiten effizienter zusammen, was den Progressionseffekt durch die Informationsverdichtung erheblich mildert. Betroffen ist davon nämlich in erster Linie der Verstand (konstanter Datendurchsatz, beschränkt auf einen Aspekt zu einer Zeit). Intuition arbeitet dem Verstand sogar umso präziser zu, je mehr Bewertungseindrücke ihr vorliegen, und je dichter die Vernetzung der Aspekte ist, ohne dass sie an Geschwindigkeit einbüßt. Aus Konsistenz geht ein treffenderes bewusstes Denken hervor.

Die Gehirnstruktur die wir global abbilden, entspricht dem, was wir derzeit über uns wissen, zeichnet den menschlichen Verstand (nicht mit Vernunft zu verwechseln) überdimensioniert nach, speziell die Hierarchien, in denen er technisch bedingt denken muss, woraus Ignoranz hervorgeht. Konsolidierung nennen wir das gerne, wenn uns vor lauter *alle über einen Kamm scheren* der Überblick verloren geht. Wir brauchen ja Beweise, um unser Bewusstsein erweitern zu können, uns (wieder) ein bisschen besser zu verstehen. Aber all das, auch was wir noch nicht verstehen, macht uns eben auch aus! – Es ist um ein Vielfaches mehr dessen, was wir wissen, und es kann so großartig sein, wie wir in der Lage sind, uns vorzustellen.

Ich weiß, ich bin nur ein kleiner Fisch, ganz unten in der Hierarchie und daher ohne nennenswerten Einfluss. Darf mir deswegen die Zukunftsfähigkeit der Menschheit nicht am Herzen liegen? – Entlohnung gibt es dafür keine, wohl deswegen, weil es mir an Rang und Namen fehlt. Macht das aus Inhalten wirklich etwas anderes? Ich sehe nicht, dass das Bestreben nach Zukunftsfähigkeit konsequent erfüllt wird. Das betrifft mich in der unteren Hierarchiestufe sogar zu einem größeren Anteil wie jene, die über mir stehen, denn ich falle früher unten raus, gleichwohl der Einfluss den ich darauf nehmen kann, von geringerem Anteil ist. Kann das wirklich schon Demokratie sein? – Manchmal möchte ich aufstehen und schreien – “Ist das Regelwerk der Gegenwart überhaupt darauf eingestellt, dass wir eine Zukunft haben?” Je stärker wir uns auf das arretieren, was wir kennen, umso stärker ignorieren wir, was darüber hinaus noch oder stattdessen richtig ist. Sachzwänge und -güter haben mehr Menschlichkeit zu erwarten, als Menschen und Mitlebewesen, und das kann es einfach nicht sein.

Für uns als sich entwickelnde Wesen geht es weniger darum, alles zu wissen, als vielmehr darum, unsere Mitte (wieder) zu finden, damit wir uns näher ans Optimum schmiegen können, indem wir die Freiräume in die wir eindringen, daran ausrichten, statt uns evolutionär und ohne Draufsicht von Nische zu Nische zu hangeln. Irrtümer wird es immer wieder geben, das Zusatzrisiko Schadwirkungen *billig-end* in Kauf zu nehmen, braucht kein Mensch wirklich! – Konzerne sind ohne uns nicht lebensfähig, also wäre es sogar doppelt unsinnig, uns von ihrem Ressourcenhunger in Ressourcennot bringen zu lassen. Ich weiß nicht, wie es anderen dabei geht, aber mich macht das nicht besonders froh. Umso mehr Lebensqualität beziehe ich jedoch aus der Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Kognitionsforschung für die nachhaltige Entwicklung, in einem sozial- und umweltverträglichen Geldsystem. Wenn alle Menschen hinter Geld her sind (bzw. sein müssen), ist es sinnvoll, das Steuerungsinstrument Geld intelligent und weitsichtig zu handhaben. Wenn wir intelligent sind, sollte das kein Problem für uns sein. Unsere geistigen Errungenschaften bilden wir schließlich schon ab, seit es sie gibt. Doch wir werden immer nur so intelligent agieren, wie unsere Wertigkeiten es zulassen, weil sie die Parameter liefern, mit denen wir Umgebungsfaktoren in unseren Entscheidungen gewichten, und ob überhaupt. Nur die aufrichtige Bereitschaft zu einem ehrlichen Wirklichkeitsbezug fördert die Entsprechung, die Anpassung, die Nachhaltigkeit, die Zukunft, das (Über)Leben.

Jan
17

Die Wahrheit ist das einzig wirklich Bestandhafte. Sie zu erlangen aber gerne schmerzhaft und immer von der Unsicherheit begleitet, dass die nächste vorstellige Erkenntnis geeignet ist, den bisherigen Wissensstand in Frage zu stellen oder gar in seiner Bedeutung umzukehren. Hat man den Mut, sich dem zu stellen, akzeptiert man die Wirklichkeit leichter und richtet sein Weltbild, seine Haltung und sein Handeln an dem aus, was sich erweist.

Wie können Sachen wichtiger geworden sein als wir? Sind die Sachen nicht für uns? Wieso stehen wir dann in evolutionärer Konkurrenz mit ihnen? Früher haben Unternehmer noch was geschaffen. Heute planen sie das Abgrasen vor, sähen systematisch Werbung und ernten dafür Geld. Um die Rückführung von Potentialen kümmern sie sich nicht. Ein so behandelter Boden regeneriert sich immer schlechter und laugt schließlich aus bis alles an ihm stirbt.

Der Süchtige würde auch kurzsichtig agieren, zum Beispiel sein Haus verpfänden. Fängt er sich doch wieder, kann er sich vielleicht ein neues bauen. Diese Erde, unser aller Zuhause, gibt es aber nur ein Mal. Wir sind die Reflexion unserer Umgebung, auf diese und keine andere abgestimmt und angewiesen. Die linearen Ketten (jeder verfolgt sein eigenes *Ziel*) sind halt viele – und lang, und auch wenn wir Aspekte linear nur isoliert betrachten können, hängen sie dennoch alle zusammen, so dass letztlich jeder auf jeden wirkt.

Dez
26

Es wird etwas passieren. Das wissen (fühlen) manche nur früher als andere. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen, und darin liegt nicht nur eine Riesenchance für die, die Vorausdenken, sondern auch für diese Welt, und die Menschen auf ihr drauf.

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für das Know-How gelegt, das in die ersten systematischen Menschenvernichtungsmaschinerien der Geschichte mündete. Die Zeiten in denen wir grade leben lassen auch nicht auf dauerhafte Stabilität hoffen. Die absehbaren Konsequenzen können wir mildern, wenn wir aktiv zur Neugestaltung beitragen, aber diesmal schon, BEVOR es crasht.

Mit scharfen Daten (z.B. in Kennzahlen) zu rechnen ist eine erlernte und sehr junge Gepflogenheit. Damit feiern wir nur Bruchteile der Umgebungsinformationen ab, und das reicht nicht für eine gedeihliche Entwicklung. Es gibt auf diesem Planten viel zu tun. Wenn das Wirtschaftssystem das alles desintegriert, weil sein Ziel nur individueller Reichtum ist, dann stehen wir eigentlich schon am Abgrund.

Die Rechnung könnte ganz einfach sein – je mehr Wohlbefinden, umso größer der Gewinn. Ziel ist das Wohl, nicht die Ausschüttung – die ist dann lediglich der Effekt, was dem natürlichen Fluss von Botenstoffen entspricht. Was zuträglich oder abträglich ist alleine an Geld zu bemessen (was dann Grundlage allen Strebens ist) führt in die falsche Richtung. 100 Prozent Leben verlangen 100 Prozent Mensch.

Dez
23

Leistungsschwankungen werden absichtlich erzeugt, um daraus zu lernen

Anders betrachtet

Leistungsschwankungen sind ein Effekt der Funktionalität des Gehirns (des Existierenden überhaupt), keine mit einer Absicht verbundene *Entwicklung* – Entwicklung ging vielmehr daraus hervor. Ohne Variationen hätte keine Entwicklung zum Menschen stattfinden können.

Wer anders denkt, dem wird gerne Realitätsverlust vorgeworfen. Von welcher / wessen Realität sprechen wir da? – Und was für eine Normalität soll das sein, um die sich heute alles dreht? Der *normale* Mensch bläst heute CO2 in die Luft, produziert massenhaft Müll, verbraucht weit mehr Ressourcen als er benötigt, sieht zu, wie währenddessen Zigtausende am Tag verdursten und verhungern, und lässt sich die Markierungen Dritter sogar in sein Gehirn p….

Ein Irrtum, millionenfach kopiert, bleibt immer noch ein Irrtum. Nur weil alle dasselbe tun, ist Mainstreamverhalten noch lange nicht *richtig*. Wir haben nur nichts anderes zur Orientierung, weil wir nicht feststellen können, sondern nur differenzieren, also uns, wie das Ratten schon können, aneinander auszurichten. Ich verstehe nicht, warum so wenige begreifen, was das für uns alle BE-DEUTET und welche Konsequenzen daraus abzuleiten sind.

Vor dem Hintergrund seiner individuellen Beschaffenheit (Kenntnisbasis, Gehirnstruktur) haben die Schlüsse eines jeden Menschen dieselbe Existenzberechtigung. Anders ist nur anders, deswegen noch nicht gleich falsch. Wir haben die einmalige Chance in unserer Geschichte, konkret zu durchschauen, was uns immer wieder in Kriege und Zerstörung treibt – und trotzdem läuft alles so weiter, als könnte es das endlos.

Uns fehlt vielleicht nicht mal der faktische Realitätsbezug. Nur hat der keinen Einfluss auf unser Verhalten. Worin wir ein Manko haben ist der emotionale Realitätsbezug, denn wenn wir desintegrativ fühlen, dann denken wir zwangsläufig auch so. Die Wahrheit wirkt aber unabhängig davon, ob wir sie wahrhaben wollen oder nicht. Desinteresse und Dummheit sind sich sehr ähnlich – beide lassen Aspekte außer Acht, ohne eine Einschätzung daran vorgenommen zu haben.

Dez
22

Entwicklung ist ein Prozess, der auf dem Bestehenden aufbaut. Das hat grundlegende Bedeutung, wenn man die Funktionsweise von Menschen untersucht. Es kommen stets und nur Mechanismen zum Einsatz, die bereits vorliegen um auf eine neu erkannte Anforderung adaptiert zu werden. Was besteht, kann auch einer Beobachtung entlehnt sein. Das wird sich beim Lernen niederschlagen, der kognitiven Entwicklung. Solche Form ist vergleichbar mit dem Einbringen genetischen Codes durch ein Virus. Das hat es auch in der menschlichen Entwicklung gegeben. Das Bestehende, auf dem aufgebaut und das abstrahiert wurde, war dann der assimilierte Code des Virus”. Ob er erfolgreich zur Anwendung kommen konnte, stellte die Selektion fest. Beim Lernen hingegen greift man auf Erlebtes zurück, das bestand zum Zeitpunkt der Erfahrung (z.B. der Eltern) und konnte im Gehirn nur an die bestehende Kenntnisbasis anknüpfen und nur anwenden, was dort bereits vorlag.

Bezieht man diese Tatsachen ein, kann man im Rückschluss folgern, aus welchen Motivationen und Instrumenten sich menschliches Verhalten zusammensetzt. Es sind überwiegend tierische Gepflogenheiten. Indem das Folgende darauf aufbaut, sind die Mechanismen überall dort omnipräsent, wo es gelang sie nützlich einzusetzen. Schon im Sinne der Ressourcenschonung handelt es sich um dieselben. Je früher die Basis im Wesen entstand umso dominanter wirkt sie im daraus entwickelten — weil grundlegend.

Zurück zum Thema. Orientierung haben die Wesen aus denen wir hervorgingen erlernt, nachdem oder während sie Mobilität entwickelten, sich bewegen konnten. Davor waren sie dem ausgesetzt, was am Ort gegeben war. Die Entscheidung, sich überhaupt fortzubewegen ist ausreichend begründet, wenn es den örtlichen Gegebenheiten zu entweichen gilt. Anderswo sein zu wollen bedarf keiner Orientierung. Sich allerdings dorthin begeben zu können, entfaltet das Potential aufzusuchen, was erstrebenswert ist, Nährstoffquellen z.B. .

Gemessen an dem, was Menschen heute anstreben, war das noch leicht zu erkennen. Sinnesorgane erlaubten es, Umgebungsinformationen aufzunehmen. Das anfänglich profane Nervennetz führte die Eingangsreize direkt zu den Aktoren, die die Bewegung ausführten um zum Ziel zu gelangen. Fische und Reptilien funktionieren noch so, haben sich aber bis heute auch fortentwickelt. Sie verfügen wie wir über ein Zentrales Nervensystem, das die Reize sammelt, bevor die Reaktion ausgelöst wird. Darin werden beispielsweise einfache Berechnungen vorgenommen, die die eigene und die Bewegung des Zielobjekts berücksichtigen um es zu erreichen.

Basis für solche Aktion sind zwei sogenannte Vektoren, die sich an einem Punkt kreuzen, dem projektierten Zielpunkt. Fische und Echsen kreisen bzw. warten bis das Objekt in Greifnähe ist und vollziehen dann identische Bewegungsschemata aus einem Fundus um die Beute zu schlagen. Gewieftere Jäger wie die höheren Säugetiere sind in der Lage, ihr nachzueilen, die Hetzjagd wurde dabei entwickelt. Sie erfordert es, die Bewegung immer neu am komplexen Verhalten des Zielobjekts zu orientieren. Um das zu können, gingen sie durch eine Entwicklungsstufe, in der sie die Technik erlernten, als sie soetwas wie Ratten waren. So wie wir auch.

Während der Wurmfisch der wir mal waren noch jagte wie Mäuse es später fallweise tun, liegt das Potential von Ratten im gemeinsamen Vorgehen, sie jagen aber nicht mehr. Die Stärksten sind die Schnellsten, sie laufen vor, der Rest folgt ihnen. Da in der Horde kein Ziel erkennbar ist sondern allenfalls eine Richtung und eine Distanz am Geruchseindruck, richtet sich jedes Mitglied an denen aus, die es umgeben. Dabei kann ein Orientierungsmechanismus zum Einsatz kommen, der schon als Fisch entstanden ist: Schwarmverhalten. Ob das für unsere Vorfische galt können wir nicht sagen. Von denen, die dafür in Frage kommen, fanden wir jedenfalls nur vereinzelte Fossilien vor, genetischer Rückschluss ist daraus nicht zu ziehen. Ob sie es bereits waren, die schwärmten, wissen wir nicht. Als wir an Land gingen waren wir jedenfalls Einzeljäger, Zielobjekt waren Insekten.

Im Rattenstadium verstärkte sich der Ausbau des Gehirns durch Eiweißaufnahme. Wenn das Maß der Intelligenz nicht mehr von der Zellfunktionalität selbst abhängt sondern im Wesentlichen von der Anzahl, muss spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Verknüpfungsmodell entwickelt worden sein, das auf die natürliche Umgebung ebensogut anwendbar war, wie auf die soziale. Orientierung dürfte bei der Erfassung der Umgebungsbedingungen wichtigste wenn nicht *die* Funktionalität gewesen sein.

Die Rattenhorde bewegt sich mehr oder weniger zweidimensional fort. Technisch wird Orientierung an der Position relativ vorgenommen. Im dreidimensionalen Raum für den auch wir gebaut sind, steht etwas vor uns, links oder rechts von uns, über oder unter uns. Was hinter uns ist, war immer schon konkurrierend und ansonsten schlecht wahrnehmbar. Es treibt uns vor sich her, ist eine Bedrohung, Fressfeind oder Mitesser. Verfügt es über kein Potential, ist es belanglos.

Das Verhältnis zu den Positionen über und unter uns ist ambivalent daran ob es sich um Freund oder Feind handelt, er schwächer ist oder stärker. Jedenfalls ist oben die Sonne, die Position also erstrebenswert aber nur unter Widerständen zu erlangen und Gefahren zu halten. Dazu muss man speziell motiviert sein.

Neben uns sind hingegen solche wie wir selbst. Es schwimmen keine einander feindlichen Fische nebeneinander her, auch unter anderen Lebewesen ist solche Konstellation nur gegeben, wenn sie gerade nichts voreinander zu befürchten haben sondern mehr von hinten (Stampede).

Bilden wir eine soziale Horde (Truppe), wünschen wir neben uns, wem wir gewogen sind und dessen Potential uns entspricht. Die rechte Hand trägt uns zu, der linken tragen wir entweder selbst zu oder vernachlässigen sie gegenüber der rechten. Am Rand der Horde kann eine der Positionen vakant sein.

In Gefechtsstellungen nennen wir solche Konstellationen “Formation”, die entsteht dabei nämlich aus den Affinitäten und hält man sie diszipliniert ein, hat die Gruppe einen Kampfvorteil durch biologisch verankerte Orientierung. Sie ist ein Rudel.

Schwarmverhalten ist mathematisch abbildbar und wird in der Sozilogie und der Trendforschung eingesetzt. Es geht dabei um die Präferenz, mit der Distanzen zu den unmittelbaren Nachbarn verkürzt (Anschluss), erhöht (Freiraum) oder beibehalten werden.

In der Gruppendynamik gibt die Alpha-Position Richtung, Tempo und Höhe vor. Wer höher will, muss an ihr vorbei (3-D), wer weiter vor will, muss schneller sein (2-D), wissen, wo es lang geht und über das Vertrauen der Nachfolgenden verfügen sonst steht er bald alleine auf weiter Flur. In der 2-D-Betrachtung ist Alphas rechte Hand Beta. Ansonsten steht er in der Position darunter, vor dem Rest der Gruppe auf selber Höhe, leitet sie an. Es folgen nebeneinander liegende Gamma-Positionen. Die vertrauen Beta mehr als Alpha. Ihr Mangel an Strebsamkeit und Bewusstsein für Harmonie befähigt sie zur Aufgabenbewältigung. Sie sind belastbar, führbar und kooperativ, bilden den Kern und bewerten die Führung am Erleben. Die letzte Position Omega treibt die ganze Gruppe voran. Verliert Alpha seinen Zuspruch, bleiben nur noch Omega der stets bremste und gegen Alpha gerichtet sowie Beta, der stattdessen loyal ist. Gammas werden sich an den Führungswilligen orientieren, sind es selbst nur dann, wenn es die Situation erfordert. Die Positionen wechseln dann, vakante aber relevante werden befüllt (Machtvakuum). Die Positionen sind in der vernetzten Gesellschaft relativ. Alpha der einen Gruppe ist womöglich Omega einer ihr übergeordneten.

Vision, Beute, Partner, Freund, Feind sind ursprüngliche Konstellationselemente der höheren Lebewesen. Die Vision ist die Leitlinie, die Beute das Ziel, der Partner Gehilfe und der Widersacher hinter einem her. In der menschlichen Gesellschaft sind das alle füreinander. Sonst ist da kein Lebewesen mehr, das Positionen relevant einnehmen könnte.
Konfrontation ist die Stellung nach der die Positionen neu geordnet sind. Nach meinem Dafürhalten machen wir genau an diesem Punkt etwas falsch. Wir leben die Konfrontation statt der Ordnung. Das erhöht zwar die Dynamik, macht aber viel(e) kaputt.

Vermutungen/Thesen (sonst ungestützt):
Orientierung ist die Grundlage jeder Konstellation im menschlichen Gehirn, das die Wirklichkeit abbildet.
Die Datenhaltung im menschlichen Gehirn ist fundamental und damit in jeder Weise an den Merkmalen der Orientierung ausgerichtet (über/unter, vor/hinter, links/rechts, daraus durch den Verstand adaptiert vorher/nachher)
Damit ist zu begründen, weshalb uns nur eingeschränkt viele Assoziationen pro Aspekt einfallen.
Diese stehen jeweils in der Rolle einer Richtung mehr oder weniger treffend repräsentativ, werden jedenfalls so präferiert behandelt (Relevanz).
Beispiele: Schulnoten (scharf): 1(A) oben, 2(B) vorne, 3(C) rechts, 4(D) links, 5(E) unten, 6(F) hinten\r\nFarben: (interpretativ aber komplementär): rot (vorne), blau (unten), gelb (oben), weiß (links), schwarz (rechts), grün (hinten)
Gruppendynamik: alpha (oben), beta (vorne), gamma (links/rechts), omega (hinten).
Gibt es vielleicht noch deltas und epsilons unter den gammas, die bislang nicht so scharf differenziert wurden? Babys/Kinder?

Wofür ist diese Betrachtung nützlich?
In der maschinellen Kognition arbeitet man gerne mit sog. Topic-Maps, die die Wissensbasis abbilden. Hierarchisch gesehen beginnen sie oben bei der Welt und münden in den Werten. Bei der Erforschung geeigneter Analyseverfahren ist die Grundproblematik gegeben, dass der Vergleich aller Konstellationen zu aufwändig ist und gemessen daran zu wenig nützliche Informationen hergibt. Menschliche Kognition differenziert über die relevantesten und zueinander passenden Aspekte besser, d.h. schneller.
Es folgt daraus, dass zur Untersuchung eines Aspekts die zu ihm korrespondierenden unterschiedlich bevorzugt zu behandeln sind. Welche korrespondieren, steht in der Vernetzungsstruktur deren genauer Aufbau uns beim Menschen unbekannt ist. Am grundlegend Hinweislichsten (und am schnellsten beantwortet) ist z.B. die Frage, welchem Symbol ein Aspekt zugeordnet ist. (“Was ist das?”)
Wo ein Aspekt in der 2D-Hierarchie (oben/unten) steht, bezeichnet bereits, was ihn deklariert bzw. spezifiziert. Das ist in jeder hierarchischen Struktur so abgebildet: Wozu gehört etwas und was gehört dazu? Aussagekräftig ist darüber hinaus, wie sich Aspekte derselben Ordnung im Netzwerk stellen, das sind nebenliegende. Will man einen Aspekt einsortieren, gibt es davor (links) liegende und nachfolgende (rechts).
Die zur klassischen Datenverarbeitung kompatible, plan-hierarchische Anordnung ist zum besseren (maschinellen) Verständnis womöglich durch eine dreidimensionale zu ersetzen. Eine Sonderstellung nehmen nämlich die Symbolbezeichnungen ein, die könnte man 3D gesehen vorne anlegen (Definition). Was zur Vollständigkeit der Informationen dann noch fehlt, sind die Relevanzen, die man dann hinter die Struktur stellen kann. Aus ihnen entsteht später ein tierisch neuronales Netz, das über die Symbole zu noch unbekannten Werten und Aspekten findet um Erkenntnisse schnell anzuwenden (Emotionale Kognition). Auch für die Untersuchung sind sie hilfreich, weil identisch hohes oder stetes Vorkommen (Relevanz) auf Regelzugehörigkeit hinweist (Allgemeingültigkeit).

Eine beschleunigte Analyse stellt sich für jeden Aspekt dann bevorzugt die Fragen:
Was ist das? (steht davor)
Wozu gehört es? (Was steht darüber)
Woraus besteht es? (Was steht darunter)
Was ist ihm ähnlich? (steht daneben)
Wo gehört es da ”rein? (links/rechts)
Wie oft kommt das vor? (Was steckt dahinter)
und wendet erst dann weitere Funktionalität an (Ausschluss z.B.) oder geht in die tiefere Betrachtung.

Feed Icon