Wenn Menschen versuchen, das Denken zu erklären, dann denken sie dabei an den Verstand. Verständlich, denn averbales Denken ist schwer in Worte zu fassen. Doch was uns emotional nicht tangiert, bewegt auch nicht unser Denken (Routinen abarbeiten, weil es nötig ist seinen Job zu erledigen, meine ich mit Denken allerdings nicht, sondern eigenständiges [Er]Fassen von Gedanken…), denn unsere Datenverarbeitung basiert auf Werten (die erfassten Werte bilden entsprechend dem Ausmaß ihrer jeweiligen Gewichtung die Empfindungs- und Denkmuster an der Beziehung zur Aufgabenstellung aus). Dies ist ein Versuch der verbalen Annäherung.
Die Wahrnehmung war von Anfang an beschränkt. Im Lauf der Entwicklung dehnte sich das Spektrum mit der Komplexität der Lebewesen aus. Die Gewöhnung (Routine) ist neben der Ignoranz ein starkes Mittel, sich auf das (gerade) Wesentliche zu konzentrieren. Ignoranz ist sogar eine der wichtigsten Methoden der kognitiven Entwicklung, die ebenso auf dem Bestehenden aufbauen muss, wie die biologische. Das neu Betrachtete, das entweder nicht mehr ignoriert wird oder neu vorstellig, ist vom bekannten Datenstand zu trennen. So ist es isoliert betrachtbar und mit dem vergleichbar und darin genauer verankerbar, was man schon weiß. Würde stets die komplette Umgebungsinformation auf einen einwirken, wäre die Verwirrung zu groß um die Aspekte unter- und voneinander zu differenzieren. Allerdings führt alles zu einem möglichst umfassenden Verständnis hin. Die Simplifikation ist so kein Ziel sondern nur eine Methode von mehreren.
Das ursprüngliche Denken des Gehirns (ge)braucht keine Worte. Intuition – Gefühlsbilder – funktioniert wesentlich umfassender als der fokussierende Verstand. Der Verstand wäre mit der Informationsdichte eines intuitiven Eindrucks überfordert. Daher wendet er sich nur dem gerade relevantesten Aspekt zu (Reduktion). Ignoranz ist zwar durchaus Bedingung dafür, scharf zu denken und zu modellieren, was jedoch leicht zu Einseitigkeit und einer Verzerrung der Perspektive führen kann. Ist die Basis eines Denkmodells beispielsweise ein falscher Schluss, pflanzt sich dieser in allem was darauf aufbaut fort und leitet die Orientierung des Gehirns in abweichende Bahnen (Werteverschiebung).
Ich bin nahezu überzeugt davon, dass wir dem Verstand die Hierarchien verdanken, die wir heute global abbilden. Das ignorierte Wohl vieler setzt diese *unten* ab, so wie wir heute weite Teile unserer nicht begriffenen Informationsverarbeitung ins *Unterbewusste* abschieben und weitgehend aus unseren Entscheidungen ausklammern (Folge: diese *Werte* fehlen dann natürlich im Ergebnis). Daher kann ich die Überzeugung mancher Menschen, wir *müssen nicht alles über uns wissen* nicht teilen, obgleich ich einräume, dass nicht alle Menschen dieses Wissen nötig haben, um es anwenden zu können. Das sind jedoch augenscheinlich nicht jene, welche die für uns alle relevanten Entscheidungen treffen, orientiert an nur einer Relevanz. ALLE ÜberLebensaspekte sind für unsere Überdauerung relevant! – Reduktion über den Betrachtungsmoment hinaus ist daher verwerflich. Wir müssten die jeweilige Detailbetrachtung immer auch wieder in den Gesamtkontext zurückführen und diesen ebenfalls berücksichtigen.
Interpretation neigt leicht mal dazu, Effekte mit Idee oder Zweck zu verwechseln. Heute entstehen daraus zum Beispiel Verschwörungstheorien. Als wir noch nichts oder wenig über den faktischen Hintergrund unseres Seins wussten, kamen dabei für neuzeitliches Empfinden fantastisch anmutende Bilder zum Vorschein. Letztlich konnten wir jedoch nichts davon einfach aus der Luft greifen, sondern nur aus dem Fundus des Vorstellbaren (das Vorstellbare ist machbar) schöpfen, so dass sich für mich heute nicht mehr die Frage stellt ob, sondern wie etwas wahr ist. Wir sind stark auf den Wahrheitsgehalt unserer Vorstellungen ausgerichtet. Letztlich kommt es aber auch für uns immer noch auf die Wahrheit in der Wirkung an.
Ein Mensch ist kein Mensch. Handelt er ego-zentrisch wie es ihm sein Wille vorgibt (seine Triebe), nimmt er Vorteil am Schaden anderer, was der Gesellschaftsentwicklung hingegen nur unter massiven Einbußen *hilft*. Das ist letztlich auch zu seinem Schaden. Seinen Trieben ist das egal, weil sich die anderen nicht alle in seiner direkten Lebensumgebung befinden, wodurch der Sozialtrieb zur Geltung käme. Eine Gesellschaft aus Individuen die sich in einer hinreichend optimalen (auch sozialen) Umgebung entfalten und verwirklichen können wäre so wieder als ein homogenes hochentwickeltes Wesen zu verstehen, auf das sich unsere aktuell disharmonischen Zustände vielleicht versuchen einzusteuern. Die Idee vom globalen Frieden und das Wohl aller Individuen ist dann ein Ziel.
Da die Intuition ein Vielfaches an Zeit hatte, den Umgebungsbedingungen umfassend zu entsprechen und sich darin zu bewähren, weiß sie es vielfach einfach besser. Daher ist es grundsätzlich keine so gute Idee, gegen seine inneren emotionalen Einwände (Empathie, soziales [Ge]Wissen) zu handeln und seine Entscheidungen dahingehend nicht auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Dies hat zum Beispiel dazu geführt, dass wir die systematische Instrumentalisierung und Massentötung von Lebewesen als selbstverständlich hinnehmen um damit ein lineares Ziel zu erfüllen, das genau betrachtet eigentlich keines sein kann. Auch Menschen waren in nicht allzuferner Vergangenheit von solchen Maßnahmen betroffen. Ihre Instrumentalisierung ist hingegen zur Selbstverständlichkeit geworden, was zum Verlust der Subsistenz führte. Jedes Kind mit einigermaßen Gerechtigkeitsempfinden (und es gibt kaum ein Kind ohne) würde beim Betreten eines *Fleischproduktionsbetriebs* in Tränen ausbrechen, oder ihm vor Entsetzen der Mund offen stehen. Dass wir uns daran kein Beispiel nehmen, ist nicht etwa ein Zeichen von Fortschritt, sondern von (Selbst)Reduktion (an einer oder wenigen Relevanzen, die jedoch subjektiv sind, denn für uns kommt es objektiv betrachtet nämlich nach wie vor auf die Summe aller ÜberLebensaspekte an – und sie sind vom natürlichen Denken des Gehirns auch berücksichtigt worden, sonst wären wir kaum so weit gekommen).
Die Blockade zwischen Intuition und Verstand wird uns im Zuge unserer Ausbildung geradezu gewaltsam ins Gehirn genagelt, weil sie nur einen kleinen Ausschnitt dessen berücksichtigt, was wir sind. Die meisten Menschen halten jedoch ihr Leben lang daran fest. Davon befreit, das (Selbst)Vertrauen aufzubringen, diese Blockade loszulassen. Die Fähigkeit zur Mustererkennung greift, schnelles Erfassen komplexer Zusammenhänge und Verstehen sind (wieder) ganz normal. Dann wird Intuition zu einer unerschöpflichen Quelle, die den Verstand mit Dauerinspiration versorgt (Synergieeffekt > Vernunft), und die individuelle Lebensqualität deutlich anhebt.
Aus etwas, das *nicht* genügt, entsteht in der biologischen Evolution nichts. Kognitive Entwicklung (Lernen) ist an der Erfahrung auch durch Ausschluss des nicht Genügenden möglich. In der Biologie verbleibt dafür keine Basis, nicht Genügendes besteht nicht fort. Die verbesserte Entsprechung ist dort grundsätzliche Zielrichtung. Daher ist Reduktion (wir nennen es gerne mal *Optimierung* oder *Konsolidierung*) die falsche Richtung, weil damit Berührungspunkte verloren gehen, statt mehr zu werden (dies war für die Entstehung unserer Intelligenz geradezu Bedingung).