Mai
04
star trek spock
Image by culture.culte via Flickr

Da ich mit Star Trek früh in Berührung kam und damit aufwuchs, kam es mir folgerichtig vor, dass die Menschheit sich in die dargestellte Richtung entwickelt. Dieser Zahn wurde mir zwar gezogen, aber so ganz wollte ich mich von meinen Zukunftsträumen nicht verabschieden. Star Trek lives, und nach fast 45 Jahren (1965 fiel meines Wissens der erste Pilotfilm durch) kommt ein neuer Star Trek Film in die Kinos. Nun ist auch der Abstand groß genug, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kirk, Spock & Co von neuen Darstellern verkörpert werden.

Der Charakter, der mich am stärksten faszinierte, war Mister Spock. Die Frage, ob die strenge Logik, der sich Vulkanier unterwerfen, tatsächlich dazu führen könnte, zu einer nachhaltigen Entwicklung zu finden, beschäftigte mich immer wieder mal. Die vegane Ernährung der Vulkanier ist nicht nur klimafreundlich, sondern schont Ressourcen und andere Lebensformen. Doch kann pure Logik uns retten?

Ging ich in jüngeren Jahren noch davon aus, dass es so sein müsse, bin ich mir heute nicht mehr so sicher, gleichwohl ich mit einem menschlichen Exemplar zusammen bin, dessen Denken erstaunlich an das eines Vulkaniers erinnert. Allerdings hat er noch ein paar eindeutig gefühlsbasierte Zusatzfeatures, die ich keinesfalls missen möchte. Die Kombination von beidem macht das Zusammensein mit meinem rationalen Gegenstück zu etwas ganz Besonderem, ist jedoch mit ein Grund für die Verstärkung meiner Gefühlsbetontheit, die hier gelegentlich durchgebrochen sein könnte.

Wäre da überhaupt keine Regung, keine Aussicht auf Wohlbefindenssteigerung in Folge dessen was ein Mensch tut, käme das einem Ausfall des Belohnungssystems gleich. Desorientierung wäre die Folge, und unser Denken hätte keine Orientierung, keine Richtung. Würde hingegen die Ausübung reiner Logik belohnt, führte das zu einer entsprechend erfreulichen Empfindung. Ohne Aussicht auf gesteigertes Wohlbefinden, der unser Denken folgt, bräuchten wir stattdessen konkrete Zielvorgaben mit ungeheuer vielen Parametern (um unserer und der Komplexität der Umgebung zu entsprechen), um daraus abzuleiten, welches Verhalten denn nun logisch und der Aufgabenstellung angemessen wäre. Dafür müsste vollkommen klar sein, worin diese besteht, sowohl kurz-, wie auch mittel- und langfristig.

Das Beste daran, eine Aufgabe gelöst zu haben ist der Effekt der Belohnung, das Wohlgefühl, die innere und äußere Bestätigung, es richtig gemacht zu haben. Wie weit das im Einzelfall auch für die Zukunft Bestand hat, steht allerdings schon wieder auf einem anderen Blatt. Zu viel des Guten kann sich mittel- und langfristig ungeheuer abträglich auswirken, und das Wohlgefühl von gestern geht im Unwohlbefinden von heute unter. Diesen Effekt zu vermeiden ist die Herausforderung, vor der die Menschheit gerade steht. Wie erlangen wir Belohnung ohne uns die Strafe gleich mit zu bescheren, weil wir Folgeeffekte zu wenig berücksichtigen?

Selbst wenn unsere Gehirne in der Lage wären, so umfangreich und trotzdem noch scharf zu rechnen, bleibt immer noch offen, woher wir unsere Motivation beziehen würden, logisch handeln zu wollen. Und überhaupt, gibt es rein logische Gründe dafür, etwas über die notwendige Grundversorgung hinaus zu wollen? Ein bisschen Gefühl muss im Spiel sein, und sei es die Lust an der Ausübung der Logik selbst, oder gar, sich darin gegenseitig zu übertreffen, was eines Vulkaniers eigentlich schon nicht mehr würdig ist. Angeblich haben sie keine Führungsambitionen. Selbstbeherrscht ja, aber gefühllos? Diesen Eindruck konnte selbst Mr. Spock nicht immer (glaubhaft) vermitteln.

Die Reaktion, dass scharfe und weit überdurchschnittliche Intelligenz nicht umhinkommt, situativ irritiert zu erscheinen wenn sie mit menschlichen Emotionen konfrontiert wird die sie nicht nachvollziehen kann, erlebe ich dann und wann selbst. Daher war ich immer wieder in der Situation, mich mit meinem Empfinden auseinandersetzen zu müssen, um mich unmissverständlich mitzuteilen. Denn mit intuitiven (Gefühls)Entscheidungen ohne deren Hintergrundinformationen darzulegen, trug ich nicht zur Verbesserung oder Lösung der Situation bei.

Ein Gefühl kommt einem umso weniger irrational vor, je tiefer man an seine Ursachen vordringt. Gefühle aus dem Denken zu verdrängen würde hingegen dazu führen, dass unserem Willen nicht entsprochen wird. Sie nicht zu ergründen wiederum führt dazu, dass wir nicht verstehen, warum wir was wollen und daher auch nicht in der Lage sind zu ermitteln, wie wir denselben Effekt effizienter, intensiver und vor allen Dingen nachhaltiger erlangen können. Mit Mobilität verbinden wir Autos, Flugzeuge und andere Abgasproduzenten, aber in erster Linie deshalb, weil uns keine adäquaten Alternativen in den Sinn kommen. Gegen abgasproduzierende Vehikel zu sein ist nicht dasselbe wie gegen Mobilität zu sein. Hier wird aber vielfach nicht deutlich genug differenziert.

Ich spreche mich für eine Kooperation zwischen Gefühl / Intuition und Verstand aus, dass sie sich immer wieder gegenseitig befruchten, und uns auf diese Weise mit neuen Gedanken inspirieren. Es ist schon was dran an der Aussage, wo ein Wille, da ein Weg. Wenn wir also Nachhaltigkeit (mehr als das was ihr entgegensteht) wollen, bekommen wir das auch hin. Denn mit Gefühlen kann man rechnen.

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Sep
12

Wenn meiner Taschenlampe das Licht ausgeht, dann muss ich eine Minute kurbeln um den Akku aufzuladen und habe dann wieder für eine halbe Stunde Licht. Für mein Auto wünsche ich mir einen Akku, der auch so funktioniert. Überhaupt ließe sich viel mit Muskelkraft machen, und das verbrennt auch noch Kalorien und hält fit. Ist ja eigentlich hirnrissig, Bewegungsprogramme als Selbstzweck zu absolvieren und die ganze frei werdende Energie verpuffen zu lassen. Warum zum Beispiel nicht den Hometrainer für die Energiegewinnung nutzen, oder was Leute an Muskelkraft in Fitnesscentern *liegen* lassen? – Man könnte sie kostenlos oder sehr günstig trainieren lassen, und dafür den Strom verkaufen den sie produzieren, so kann sich jeder der will, an der Stromproduktion beteiligen – Hoppla, abgeschweift.

So lange Autos mit Benzin fahren will ich keines mehr. Die Pressluftvariante die nächstes Jahr in Serie gehen soll ist schon ganz nett, hat aber noch eine vergleichsweise geringe Reichweite, ist also mehr was für den Stadtverkehr, der schnittige Akku-Sportwagen ist für den Durchschnittsverdiener zu teuer. Außerdem muss die Energie, die der verbraucht, auch erstmal erschlossen werden.

Beamen lieber nicht, da bin ich skeptisch wie McCoy, so lange nicht sicher gestellt ist, dass man dabei nicht gekillt wird und als Kopie neu zusammengesetzt. Der arme *Klon* ahnt dann nichts davon, und das Original sowieso nicht… Sichten wäre m. E. sicherer. Visuell ist das Hologramm dann nicht mehr vom Original zu unterscheiden. Auf Konferenzen oder ähnlichem ist die physische Anwesenheit ja nicht zwingend erforderlich.

Ein eigenes Auto braucht nur wieder einen Stellplatz, und in der Zeit wo es rumsteht, erfüllt es keinen Zweck. Wenn meine physische Präsenz gefordert ist, gebe ich den Zielort meinem Universalconnectors am Handgelenk bekannt, und der schickt mir den nächsten freien Wagen vor die Haustüre, der mich schnellstmöglich und sicher an mein Ziel bringt. Den Energiebezug hat bis dahin vielleicht die Skalarwellentechnik gelöst, wir reisen dann womöglich mit Neutrinopower. Ein intelligenter Background sorgt für optimale Nutzung des öffentlichen Individualverkehrs. Die Kabine schützt sich selbst vor Vandalismus und Verschmutzung, aber auch davor, dass ich was vergesse, indem sie sich erst öffnet, wenn ich mitgeführte Utensilien an mich genommen habe oder mich darauf hinweist, wenn ich mal wieder in Gedanken versunken dazu neige, was liegen zu lassen.

Dauert die Fahrzeit länger, sorgt Lastfm dafür, dass meine Lieblingsmusik gespielt wird, oder ich sehe mir Filme an oder surfe im Internet. Oder ich nehme noch jemanden mit, dessen Ziel aufm Weg liegt, und dessen Profil zu mir passt, so dass wir uns gut unterhalten. Vielleicht hat aber auch einer Lust auf Sichten, und wir plaudern ein wenig, ohne dass er mitreisen muss. Gegebenenfalls diskutiere ich eben mit einer selbstlernden KI – wir lernen dann voneinander, was für beide ein Gewinn ist, zumal sie sich auf ihre Gesprächspartner einstellt, um diese optimal nach ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern. Schließlich muss sie eine Menge über uns erfahren um ihre Aufgabe, den individuellen Bedürfnissen aller gerecht zu werden, mit steigender Qualität zu erfüllen. Das Wohl der globalen Gesellschaft (=Erfolg) summiert sich schließlich aus dem Wohl ihrer Einzelwesen.

Gewalttaten sind ausgeschlossen, das gäbe sofort einen Alarm und die Insassen würden mit einem schnell wirkenden Gas oder raumfüllenden flexiblen Airbags sanft aber umgehend außer Gefecht gesetzt wenn ihre biochemische Disposition einen Übergriff signalisiert. Das kam bisher aber noch nicht vor, denn wir haben unsere Lebensumgebung so gestaltet, dass gegenseitiges Vertrauen zur natürlichen Umgangsform gehört. Da es allen gut geht, gibt es keinen Grund mehr, sich gegenseitig anzufeinden. Für etwaige Restaggressionen bekommen wir individuell auf unsere Disposition zugeschnittene Aktivitätsvorschläge. Egal wem und aus welchem Grund es einem nicht gut geht, es gibt für alles intelligente, nachhaltige Lösungen. Nachdem wir endlich verstanden haben, dass Glück der sicherste Indikator dafür ist, eine nachhaltige Überlebensstrategie anzuzeigen, wissen wir ja nun auch, wonach es sich wirklich zu streben lohnt. Das macht den Geist offen, und unsere Potentiale haben so viel Raum wie sie brauchen, um sich optimal zu entfalten. Erstaunlich, wie kreativ jeder Einzelne von uns sein kann, wenn die Umgebungsbedingungen es zulassen.

Derweil gebe ich mich im Sommer mit einem Fahrrad zufrieden, im Winter oder für lange Strecken mit Bus oder Bahn…

Aug
24

Über meinen Heimatplaneten weiß ich nichts Wesentliches, nur dass mir die Anpassung an die Gewohnheiten der Erdbewohner nie so recht gelingen mochte. Den komischen Scheinchen, bei denen sich die Freundschaft aufhört (eindimensionaler Schnittstellenersatz für mehrdimensionale soziale Vernetzung? – hm, das würde allerdings so manches erklären), kann ich nichts abgewinnen. Weder schmecken sie besonders gut, noch sind sie nahrhaft, noch halte ich viel davon dafür zu tun was andere wollen, statt das zu tun, was ich will. Wenn viele Menschen tun, was sie eigentlich gar nicht wollen, was erwarten sie sich davon eigentlich für ein Gesamtergebnis? – - – Hm???

Angeregt durch Star Trek, der ersten Science fiction, mit der ich in Berührung kam, ging ich in den Beobachter-Modus über, um mich über das Verhalten der Ureinwohner schlau zu machen und stieg mit Verhaltensforschung (“der nackte Affe“) ein. Das war sehr aufschlussreich. Ein paar Jahre später begegnete mir Deepthought, naja, nicht direkt, ich sah ihn nur durch diesen Kasten, den die Erdbewohner in ihren Wohnräumen aufstellen, um im Passsivmode an der gerafften Darstellung tatsächlicher und erfundener (was nicht immer leicht zu differenzieren ist) Geschehnisse der Welt teilzunehmen (die einfachste Form, sich eine Meinung implementieren zu lassen, weil jeder Mensch einen Standpunkt braucht, um dem biologischen Bedürfnis nachkommen zu können, diesen zu verteidigen), und mir wurde klar, so daneben konnte ich mit dem seltsamen Gefühl das ich bei meinen Beobachtungen hatte, gar nicht liegen. Meine interdisziplinäre Reise ging also weiter durch die Natur-, später auch Geisteswissenschaften, und da wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklung nahm ich Mythologie und den Parastuff auch noch mit.

Seit ich mich mit Emotions- und Kognitionsforschung auseinandersetze, ging mir so manches lang ersehnte Licht auf. Ein lernendes Neuronennetz weiß ja erst einmal gar nichts über richtig oder falsch. In erster Linie passt es sich den gerade aktuellen Umgebungsbedingungen an, im Urvertrauen, diese nicht hinterfragen zu müssen. Die Prägung seines Bewertungssystems (wahr-genommene Befindlichkeiten werden wahr-genommener Symbolik zugeordnet) re-agiert mit den auf es wirkenden Umgebungseinflüssen und nimmt die Klassifizierung der Einzelaspekte daran vor, wie sie seiner Trieberfüllung zu- oder abträglich sind, ohne Hintergründe zu kennen oder einzubeziehen. Und kaum könnten die kleinen Menschlein dann selbst denken und ihre individuellen Potentiale entwickeln, bekommen sie zu hören, was alles warum nicht geht, werden konformiert und zu Funktionselementen der Wirtschaft programmiert, pardon, gebildet nennen sie das. Als Erwachsene sehen sie dann Grenzen, wo es für sie als Kinder keine gab, obwohl sie doch nach ihrer Ausbildung angeblich mehr wissen als vorher. Ist das nicht höchst eigenartig?

Mit jeder neuen Antwort kommen wieder neue Fragen, und nun weiß ich immer noch nicht genug, um daraus ableiten zu können, ob ich er- oder entmutigt darüber sein soll, auf diesem Planeten festzusitzen. Fasziniert bin ich auf jeden Fall, und – *don’t panic* (wo ist mein Handtuch?)…

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