Mrz
01

Dieser Artikel ist zwar schon etwas älter, entdeckt habe ich ihn allerdings erst heute, und es geht darin um die Intelligenz der Gefühle.

“Mein Gefühl sagt „ja“, will sie unbedingt wiedersehen, aber mein Denkvermögen sagt mir voraus, dass diese Bekanntschaft kaum Aussicht auf längeren Erfolg hat, mir wohl eher nur Enttäuschung bereitet.”
Womit wir dann ja wohl wieder vor einem emotionalen Dilemma stehen, nicht wahr…?

Es ist immer die Bewertung der Fakten Ausschlag gebend, nicht die Fakten an sich. Die Ratio ist nichts anderes als ein Überbau der es uns gestattet, in eine vorstellbare Zukunft zu blicken. Selbst wenn die Überlegung nicht auf die Zukunft gerichtet ist, sondern beispielsweise auf die Analyse dessen was in der Vergangenheit beobachtet wurde, geht es für sie darum, einen für die Zukunft anwendbaren Nutzen zu ermitteln. Ohne dem wäre die Analyse der Vergangenheit irrelevant. Die Emotionen haben das nur bedingt drauf, da sie an die Situation / den aktuellen Eindruck gebunden sind – auch dem den die Vorstellung in uns erzeugt.

Werte sind das, was das Belohnungssystem stimuliert und wir in unseren Entscheidungen gewichten. Kein Mensch war je dazu in der Lage, eine rein rationale Entscheidung zu treffen. Auf welcher Basis denn bitte?

Das Gehirn ist daraufhin konzipiert, angemessen auf Umgebungseinflüsse zu reagieren, und die Basis dafür sind Schätzwerte, die Verarbeitungslogik dahinter Intuition, basierend auf Mustererkennung und -vervollständigung, gebildet aus allen Werteinschätzungen die dem Gehirn vorliegen (weil dies wiederum nicht die volle Bandbreite des Erlangbaren abdecken können, kann sich auch die Intuition irren, wird es aber bei komplexen Entscheidungen seltener tun wie der Verstand). Fakten zu „schaffen“ ist eine viel zu späte Errungenschaft, als dass daraus in der Evolution eine tragfähige, geschweige denn langfristige Methodik hätte hervorgehen können. Ob sie überhaupt funktioniert, muss sich noch erweisen.

Wir wollen was wir sehen, riechen, hören, schmecken, spüren. Die Vision solcher Eindrücke steuert unser Denken und Handeln. Fakt ist, dass Menschen sich auch dann noch um Fakten streiten (z.B. Klimawandelbefürworter und -Skeptiker), wenn diese angeblich erwiesen sind. Der Einzelne verfügt zudem kaum über die Kompetenz angebliche Tatsachen zweifelsfrei nachzuprüfen. Und so wendet sich der eine diesem Lager zu, der andere der Gegenseite – welche „Fakten“ wir also als solche akzeptieren, hängt schlicht davon ab, wie weit sie unserem Empfinden entgegenkommen. Fakten können aber gar nicht gegeneinander stehen, sie existieren nebeneinander. Worum Menschen sich streiten oder woran sie sich orientieren ist also letztlich was anderes als die Wahrheit.

Gefühlte Erfahrungen werden in unseren Entscheidungen ganz anders gewichtet (da sie Einfluss auf die Stimulation des Belohnungssystems haben). Wir mögen gegen “besseres” Wissen handeln – so weit ist es schon wahr, doch wenn wir dieses Wissen auch fühlen, passiert das nicht mehr. Botenstoffmathematik – sie funktioniert ein wenig anders als wir “rechnen” gewohnt sind, und ist nicht verbalisierbar, weil unsere Entscheidungsebene nun mal nicht die Verstandesebene ist. Sie ist die letzte Instanz, die überhaupt davon erfährt. Ich sehe in unserer Funktionalität ungeheure Potentiale. Alles was wir uns je vorstellen konnten, ist drin, und noch mehr darüber hinaus. Die Frage ist gar nicht ob, sondern wie!

Du kannst darauf bauen, dass jedes Gehirn immer und ausschließlich in die Richtung denkt und entscheidet, in der es die größte Aussicht auf Wohlbefindenssteigerung vermutet (ja, auch lästige Pflichterfüllung und sogar Opferbereitschaft werden dabei „herausgerechnet“), unter Anderem spielen hier auch aktuelle Umgebungseinflüsse und Befindlichkeiten mit hinein, und natürlich ist der kognitive Rahmen stets ausbaufähig. Nur um Wohlbefindenssteigerung geht es – und ja, Wahrheitsliebe kann beim einen oder anderen durchaus dazu beitragen, das war dann (s)eine Entscheidung.

Gibt die Vorstellung nichts mehr her das die Aussichten verbessert, geht dem Gehirn der Antrieb verloren – das nennen wir dann Depression. Eigentlich eine intelligente Reaktion, zumal sie heute häufig auftritt. Verhalten wir uns falsch, entzieht uns das Gehirn dafür Glück. Dem kann man nun entsprechen (echt) oder aber es kompensieren (schein). Unsere Probleme resultieren m.E. daraus, dass wir mit heutigen technischen Errungenschaften sehr effektiv kompensieren können. Doch Kompensation behandelt nur Symptome, die Ursachen innerer Unzufriedenheit beseitigt sie nicht, und trägt daher auch nicht zur nachhaltigen Wohlbefindenssteigerung bei.

Glück ist eben nicht käuflich.

Nov
02

“Das Tierwohl hänge von seiner Gesundheit ab und davon, ob es bekomme, was es möchte” (Mitleid mit den Tieren).

Doch wie wollen wir das messen? – Einfühlungsvermögen könnte darüber beispielsweise Aufschluss geben, das aber ist subjektiv, und nicht jeder verfügt darüber. Wer lieber Messgeräte benutzt statt sein eigenes Gespür, wird sich auf letzteres kaum noch verlassen. Wo die Unschärfe nicht mehr akzeptiert ist, geht Variationsvielfalt verloren, wird ersetzt durch Programmroutinen, die vorausberechnend ablaufen, zumeist mit dem Ziel, einen einzigen Aspekt zu erfüllen, wodurch er auf alle anderen mit Ignoranz reagiert. Die Welt ist keine gerade Linie, sondern ein Netzwerk, eine Matrix, in der alles aufeinander wirkt.

Fühlen durch Programmieren (über den Verstand) zu ersetzen – halte ich für hinterfragenswert, nicht nur weil Altruismus schlicht einfacher zu leben ist, wenn einem danach ist, also man ihn in seine emotionale Bewertung integriert hat, sondern auch weil die Versachlichung sämtlicher Lebensaspekte uns selbst als weniger fühlen lässt als wir sind. Ich sehe und erlebe Desillusioniertheit und Gleichgültigkeit, selbst schon bei sehr jungen Menschen. Sie gesellen sich durch den Verlust des eigenen Antriebs zur Manövriermasse, werden (massenmedial) bewegt, statt (sich) selbst zu bewegen.

Aus den Beobachtungen der letzten zehn Jahre rekrutiere ich die Annahme, dass eine systematische Ausdünnung in der emotional-sozialen Vernetzung nicht eben gut dazu geeignet ist, die Beweglichkeit des Individuums zu steigern. Es ist seinem Vorstellungsvermögen abträglich, das in Folge keine abgehobenen Visionen mehr bilden kann, um sich damit dann zu emanzipieren, also über sein derzeitiges Ich hinauszuwachsen, sich mental höher entwickeln zu wollen. Denn was, wenn nicht unser (Mit)Empfinden würde den Verstand ansonsten mit Werten versorgen? – Viel bleibt dann ja nicht mehr, was unser Belohnungszentrum stimulieren könnte – beim Denken, Entscheiden (Gewichtung) und Handeln.

Wenn die Kognitionsforschung den Menschen nicht bald die Augen (die Herzen) öffnet, dann weiß ich nicht, was das noch könnte. Menschen bewegen die Welt nicht durch Programme (die arbeiten ja nur Altbekanntes ab, für Neues haben wir noch keine Routinen), sie bewegen durch Bewegtheit, und die kommt nun mal nicht aus dem Verstand, sondern der Verstand ist ihr Werkzeug.

Mai
20

Geselligkeit zeigt sich im Gehirn (Spiegel online). Nicht, dass es überraschend käme. Entwicklung baut auf Bestehendem auf. Zur Fragestellung “ob die beobachtete Häufung der Nervenzellen den Hang zur Geselligkeit verursache oder ob sie bei kontaktfreudigen Menschen erst mit der Zeit entstehe” möchte ich sagen: sowohl als auch.

Sep
18

Widersprüche sitzen nur da, wo wir sie selbst manifestiert haben, in unseren Köpfen. Da werden “Werte” mit Symbolen verknüpft, und die Orientierung findet im Weiteren an der Symbolik statt, aus der wiederum Werte hervorgehen, bzw. deren Wertigkeit sich im Laufe der Zeit verändern kann.

Worte alleine können der Großartigkeit des Universums nie und nimmer entsprechen. Sie reduzieren, was nicht reduzierbar ist, mit dem Ergebnis, dass es viel öfter falsch als richtig interpretiert wird. Nur Bruchteile unseres Denkens können wir überhaupt benennen. Die reduzierte Betrachtung vertut sich leicht mal – wenn nicht im Ausdruck, dann in der Interpretation und Adaption.

Es spielen unzählige Faktoren mit hinein, damit ein Gedanke genau so entsteht, wie er es tut. Das ganze Drumherum, die averbalen Komponenten, die kleinsten Einheiten, sind uns nicht gegenwärtig. Auf Werteebene haben jedoch schon kleinste Justierungen und Ausweitungen massiven Einfluss auf die gesamte Informationsverarbeitung (Denken). Durchaus vergleichbar mit der mitunter bis zur Unkenntlichkeit reichenden Verzerrung einer Systemoberfläche, wenn der Pogrammierer einen Wert falsch setzt.

Was wir fühlen, lässt sich schwer beschreiben und für die Argumentation heranziehen. Das war Grund genug, es wegzurationalisieren. Damit verloren wir den emotional-sozialen Puffer zwischen Reiz und Reaktion, zwischen sehen und habenwollen, mit dem Effekt, dass aus unerschöpflichen Quellen wie dem Meer oder den Urwäldern systematisch ausgebeutete Bestände mit Ablaufdatum geworden sind. Wir hätten die Regenerationsfähigkeit der Bestände zu keiner Zeit überschreiten müssen.

Auch in Gefühlen steckt eine Logik, steckt Information, um ein Vielfaches dessen, was den Durchsatz bewusster Gedanken ausmacht.

Werte sind die grundlegende Ebene intelligenter Datenverarbeitung. Auf Werteebene sieht / fühlt man aber *nur*, und Gefühle sind zu datendicht, um jeden Aspekt im Detail zu analysieren und zu beschreiben. Aber das macht nichts, denn wenn die Werteebene *stimmig* ist, dann sind es auch die Gedanken, die ins Bewusstsein dringen – ja, wenn…

Das *Herz* denkt umfassender wie der Verstand, weil es nicht auf den kleinen verbalisierbaren Teil angewiesen ist, sondern auf den vollen Bestand zugreift. Auf das Verbalisierbare beschränkt *sieht* der Verstand *das große Ganze* nicht mehr, das lässt schon seine geringe Bandbreite nicht zu. Er ist ein Fokussierer, der sich zu einer Zeit nur einem Aspekt zuwenden kann und auf diese Weise linear Folgerungsketten abarbeitet. Dieser Mechanismus alleine wird weder unserer, noch der Komplexität unserer Lebensumgebung gerecht. Vernunft braucht beide Komponenten.

Sep
18

Wo hört die Wahrheit auf und fängt der Irrtum an? Was ist eine Lüge? Wo bleibt der Spielraum für die Fantasie, die Idee, die Vision, die Unvoreingenommenheit?

Am Anfang war das Wort, und das Wort war mächtig. Aber es ist nichts weiter als ein Symbol, verknüpft mit einem Wert, oder einer Ansammlung von Werten – einem Muster. Eine Feststellung lässt sich damit – abstrahiert und verdichtet – von einem Gehirn ins nächste kopieren. Aber deswegen versteht sie doch nicht jeder gleich, und Bedeutungen verändern sich mit den Erfahrungen nachfolgender Generationen. Begriffe, bei denen unsere Großmütter noch rot wurden, gehören mittlerweile zum Standardvokabular. Hach, ist das geil!

Das einzig Beständige sind die Werte, denn sie sind fundamental. Nur mit welcher Symbolik wir sie verknüpfen, veränderte sich im Laufe der Zeit, unterscheidet Kulturen voneinander, und neue Verhaltensweisen und Lernroutinen gingen daraus hervor. Die Erfahrungsdaten des ganzen Lebens vorhaltende, informationsdichte Werteebene des Gehirns, die Intuition, ist dem Verstand ein Rätsel. Denn nonverbales Denken ist nicht linear übertragbar.

Kann ein Mensch mit seinem Verstand das Universum vollumfänglich erfassen? – Nur die Intuition kann den vollen Erfahrungsbestand des Gehirns zeitnah verarbeiten, und schon der ist selektiert und abhängig von den individuellen Reizschwellen des wahr-Nehmenden. Die Chance, auf einen Wahrheitsvolltreffer beim linearen Stochern stehen nicht besonders gut. Daher haben wir uns auch immer wieder geirrt bezüglich der Beschaffenheit der Welt, und können keineswegs sicher davon ausgehen, dass wir zwischenzeitlich richtig(er) liegen. Heute gilt das als wahr, und morgen zeigt sich ein neuer Aspekt, und dann wird genau das Gegenteil für wahr erklärt. Manche bekommen es mit, andere nicht. Macht aber nichts, übermorgen kann es eh schon wieder umgekehrt sein. Dann kann man genau so gut beten, und sich die Welt als zukünftiges Paradies denken, sich dabei geborgen und geschützt fühlen und das dann einfach leben. Denn was wir fühlen mag subjektiv sein, aber was daraus hervorgeht, das ist real.

Zwischen dem Lebewesen und seiner Umgebung muss zumindest in soweit Harmonie vorherrschen, dass die vom Lebewesen eingebrachte Dynamik die Umgebungsbeeinträchtigung im regenerierfähigen Rahmen belässt, und so erhält, worauf das Wesen zum nachhaltigen Fortbestand angewiesen ist. Nahezu jedes Mitgeschöpf auf Erden hält sich daran, und ist in seiner Wirkung nachhaltiger als wir – aus einem einfachen Grund – es hat keinen Verstand, der das eh schon gefilterte noch mal – und zwar massiv – vorselektiert und reduziert. Ursprung dafür ist immer noch das Triebsystem.

Ein Verstand ist als ergänzender Verarbeitungsmechanismus geeignet, um Detailschärfe zu erlangen, aber er ist kein Ersatz für Gefühle und Soziologie. Er sperrt den Erfasser des Welt-Raumes sonst aus diesem aus, und lässt nur noch ein winziges Schlüsselloch, wodurch er die Bedeutung dessen was er sieht, nur unzureichend erraten kann. Das ist wie eine weiße Wand mit einer Stecknadel streichen zu wollen. Daher sind wir auch so desillusioniert, und die Dinge verlieren ihre Magie, nachdem wir sie *analysiert* haben, denn ihre Bedeutung verstehen wir nicht, da wir die weitreichenden Zusammenhänge durch den winzigen Ausschnitt des Verstandes nicht mehr sehen können. Fast möchte man glauben, dass wir vor lauter Wissen das Sehen verlernten.

Es ist spannend zu forschen, doch wir müssen nichts beweisen. Unser Job ist es zu überdauern. Und wenn die Lehren über Gott zur Orientierung, einem tieferen Selbstverständnis und zur friedfertigen Persönlichkeitsentwicklung des Individuums beitragen, dann kann ich daran nichts Falsches sehen. Wer weiß, ob nicht das vielleicht der einzige Grund dafür ist, dass wir noch da sind.

Wir sind so viel mehr als unsere paar Worte ausdrücken können. Doch wie hätten die frühen Menschen diese Ahnung anders ausdrücken können, als in Symbolik die für Werte und Potentiale jenseits aller, ganz besonders aber der Vorstellungskraft unseres Zeitalters steht? – Gott wurde als ewig (an)erkannt. Wir kapieren die Bedeutung unserer eigenen Symbole vielleicht nur (immer noch) nicht. Womit denn auch?

Kehrt man das Denken um (in Wirkungen denken statt in Vorstellungen), wirkt der Glaube an Gott wirklichkeitsnaher als unser asozialisierendes Geldsystem. Damit will ich keine Abgrenzung schüren, das würde das Konzept negieren, und beeinträchtigen was herauskommt, wenn einer die Reise ins Ich aus freien Stücken auf sich nehmen will.

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